Blog, 24.05.2022

Aufzucht und Nutzung der Bruderhähne bei den Eiermachern

Unser Unterstützer, die Eiermacher GmbH, nehmen beim Projekt Bruderhahn eine Vorreiterrolle ein. Sie setzen damit ein Zeichen gegen die immer noch gängige Praxis des Tötens der männlichen Küken. Jens Eipper von den Eiermachern gibt uns Einblick in das Projekt.

Wer Legehennen hält, nimmt grundsätzlich in Kauf, dass in einer Brüterei für jedes weibliche Legeküken ein männliches (Eintags-)Küken getötet wird. Diese gängige Praxis ist zwar einer breiten Bevölkerungsmehrheit bekannt, wird aber in den letzten Jahren von vielen Konsument*innen kritisch hinterfragt. Dies führte zuletzt auch zu neuen gesetzten und Tötungsverboten im DACH-Raum. Methoden zur Geschlechtsbestimmung im Ei werden zwar mit Hochdruck erforscht, mit einer markttauglichen Umsetzung dieser Früherkennungsmethoden ist aber noch länger nicht zu rechnen.

Nutzung statt sinnloses Töten

Eine Vorreiterrolle nimmt die Eiermacher GmbH in Sachen Bruderhahn ein: Um ein Zeichen gegen diese leider immer noch gängige Praxis des Tötens der männlichen Legeküken zu setzen, haben die Gesellschafter*innen der Eiermacher GmbH bereits im November 2014 entschieden, dass in der Bio-Legehennenhaltung alle männlichen Eintagsküken aufgezogen werden. Seit 2020 werden zudem auch im konventionellen Bereich immer mehr Bruderhähne aufgezogen.

Die Küken entstammen aus der betriebseigenen Brüterei, die Elterntiere sind ebenfalls bei bäuerlichen Partnerbetrieben der Eiermacher GmbH eingestallt. Die Aufzucht der Hahnenküken erfolgt in Bio-Stallungen mit Grünauslauf. Für diese Stallungen gelten grundsätzlich dieselben Richtlinien wie in der Bio-Junghennen-Aufzucht. So haben die Junghähne im Stall Beschäftigungsmaterial und verschiedene Ebenen zur Verfügung. Zusätzlich gibt es einen Wintergarten und natürlich einen großen Grünauslauf, welchen die Junghähne gern annehmen. Hier finden sie Unterschlupfmöglichkeiten, Insekten, Grünfutter und können somit Ihren natürlichen Bedürfnissen nachgehen.

Rassemäßig wird – vor allem im Biobereich – mehrheitlich die Rasse „Sandy“ eingesetzt. Diese zeichnet sich dadurch aus, das die Tiere sehr vital sind und gerne rausgehen. Zudem haben sie eine geringe Mortalität und eine sehr hohe Legeleistung. Letzteres ist auch für den Bruderhahn wichtig. Da der Hahn von Gewicht und Futterverwertung nicht mit einem klassische Masthuhn mithalten kann, ist er nicht in der Lage sich zu 100 Prozent als Produkt selbst zu zahlen. Daher erfolgt eine Querfinanzierung über das Ei. In der Praxis bedeutet dies, dass ein Ei den Konsument*innen etwas mehr kostet, aber dieses Geld dafür die Aufzucht und damit das Leben der Brüder mitfinanziert. Ein weiterer Nebeneffekt von Sandy Eier ist zudem deren Farbe: Das Ei ist hellbeige und damit deutlich unterscheidbar von konventionellen Eiern.

Bruderhähne in der Küche

Nach zehn Wochen werden die jungen Hähne dann am jeweiligen Partnerbetrieb abgeholt und zum betriebseigenen Schlachthof der Eiermacher GmbH gebracht. Zu diesem Zeitpunkt haben sie ein Lebendgewicht von ca. 1,2 bis 1,4 Kilogramm. Der Schlachtkörper selbst hat dann ca. 500 bis 600 Gramm. Die Verwendung ist dabei sehr vielfältig: Ein Teil der Hähne geht als Ganzes in den Handel und findet vielfältige Verwendungsmöglichkeiten in der Küche. Ein Bestseller ist das reine Biohahnfilet, welches ebenfalls im Lebensmitteleinzelhandel verfügbar ist. Viel wird auch als sogenanntes „Verarbeitungsfleisch“ hergerichtet und vermarktet. Dafür wird das Fleisch, mehrheitlich von der Keule, von Hand vom Knochen gelöst und in großen Blöcken tiefgefroren. Diese gehen dann als Rohstoff in die Verarbeitung, wo zum Beispiel hochwertige Kindernahrung oder Geflügelwürste hergestellt werden.

Geschmacklich ist der Hahn sehr zart und fettarm. Er eignet sich für jedes Hendlgericht wie z.B. Hühnercurry, aber ist auch hervorragend geeignet, um etwa Filets zu grillen oder Chicken-Drumsticks aus den Keulen zuzubereiten. Allgemein sind der Kreativitä in der Küche natürlich keine Grenzen gesetzt und neben der hohen Qualität und hervorragendem Geschmack, bleibt natürlich auch immer das gute Gewissen: Statt Küken zu töten, wird mit viel Sorge, guter Pflege und Arbeitsaufwand einem Tier ein lebenswertes Leben geboten und so zu einem hochwertigen Lebensmittel.

* Dieser Beitrag ist in Kooperation mit unserem Unterstützer, der Eiermacher GmbH, entstanden.

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