Mit Carlo Petrini verliert die Welt einen der bedeutendsten Vordenker unserer Zeit. Der Gründer unserer Bewegung verstarb am 21. Mai 2026 in seiner Heimatstadt Bra in Italien im Alter von 76 Jahren.
Carlo Petrini gründete Slow Food in den 1980er-Jahren aus der Überzeugung heraus, dass Essen weit mehr ist als bloße Nahrungsaufnahme. Für ihn war Essen immer auch Kultur, Landwirtschaft, Biodiversität, Gemeinschaft, Handwerk und Verantwortung. Mit seiner Vision von „gutem, sauberem und fairem“ Essen für alle schuf er eine weltweite Bewegung, die bis heute Millionen Menschen verbindet – von Bäuer:innen und Lebensmittelhandwerker:innen über Köch:innen bis hin zu Aktivist:innen und jungen Menschen auf der ganzen Welt.
Neben Slow Food rief Carlo Petrini auch das internationale Netzwerk Terra Madre sowie die Universität der Gastronomischen Wissenschaften in Pollenzo ins Leben. Damit schuf er Räume für Austausch, Wissenstransfer und gelebte Solidarität entlang der gesamten Lebensmittelkette.
Carlo Petrini war weit mehr als ein Aktivist oder Intellektueller. Er war ein außergewöhnlicher Brückenbauer, der Menschen zusammenbringen konnte wie kaum ein anderer. Ob mit Landwirt:innen, Fischer:innen, Studierenden, Politiker:innen oder religiösen Würdenträgern – Carlo sprach mit allen auf Augenhöhe. Seine Sprache war die der Menschlichkeit, der Neugier und des gemeinsamen Handelns.
Im Zentrum seines Denkens stand immer die Überzeugung, dass gesellschaftlicher Wandel nur gemeinsam gelingen kann. Besonders wichtig war ihm dabei die Zusammenarbeit mit jungen Generationen. Er glaubte daran, dass Hoffnung, Gemeinschaft und konkrete Visionen die Kraft haben, die Welt zu verändern.
„Wer Utopien sät, wird Realität ernten“ – dieser Satz, den Carlo Petrini oft sagte, beschreibt sein Leben wohl am besten. Er war überzeugt davon, dass gerechte und gemeinschaftlich getragene Visionen Wirklichkeit werden können, wenn Menschen mit Leidenschaft und Entschlossenheit dafür arbeiten.
Mit Terra Madre schuf Carlo Petrini ein weltweites Netzwerk von Menschen, die Lebensmittel produzieren und die biologische Vielfalt bewahren. Sein Ziel war es, Produzent:innen aus aller Welt miteinander zu verbinden, damit sie Wissen teilen, voneinander lernen und gemeinsam Lösungen für die Zukunft unseres Ernährungssystems entwickeln können.
Dabei ging es ihm immer auch um Freude, Gastfreundschaft und das gemeinsame Essen. Carlo Petrini verstand den gedeckten Tisch als Ort der Begegnung und des Dialogs. Genuss und Verantwortung waren für ihn niemals Gegensätze, sondern untrennbar miteinander verbunden.
Aus einer kleinen Gruppe von Freund:innen im italienischen Piemont entstand unter seiner Führung eine globale Bewegung. Heute setzt sich Slow Food weltweit für Biodiversität, handwerkliche Lebensmittelproduktion, faire Bedingungen entlang der Lebensmittelkette und eine nachhaltige Zukunft unseres Ernährungssystems ein.
Der Verlust von Carlo Petrini ist für unsere gesamte Bewegung schmerzhaft. Gleichzeitig bleibt sein Denken, seine Haltung und seine Vision lebendig – in Gemeinschaften, auf Feldern, in Küchen, auf Märkten und überall dort, wo Menschen daran glauben, dass gutes Essen die Welt verändern kann.
Seine Energie, seine Großzügigkeit und sein lebenslanger Einsatz für andere werden Slow Food weiterhin prägen.
Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Freund:innen und allen Menschen weltweit, die ihm verbunden waren.
Der Vorstand von Slow Food Österreich möchte Carlo Petrini für sein außergewöhnliches Lebenswerk danken.