Elisabeth, Peter und Matthias Löcker bewirtschaften in St. Margarethen im Lungau den Biohof Sauschneider, wo sie den beinahe verschwundenen Lungauer Tauernroggen anbauen und vollständig am Hof verarbeiten und veredeln.
„Ist der Boden gesund, dann ist die Pflanze gesund und auch der Mensch.“
Peter & Liesi Löcker
Am Biohof Sauschneider von Elisabeth („Liesi“) und Peter Löcker in St. Margarethen im Lungau ist über Jahrzehnte eine Form der Bewirtschaftung entstanden, die sich eng am eigenen Getreide orientiert und auf geschlossene Abläufe abzielt. 2025 hat Sohn Matthias den Betrieb übernommen, seine Eltern sind freilich noch immer stark involviert. Ausgangspunkt für Peters und Liesis Leidenschaft für Bio-Landwirtschaft und den Lungauer Tauernroggen war der Wunsch, sich selbst zu versorgen und die Wertschöpfung in der Region zu halten. Eine Getreidemühle, die Peter und Liesi zur Hochzeit erhielten, markierte den Beginn dieses Weges. Heute steht bereits die fünfte Mühle im Betrieb.
Der Lungauer Tauernroggen, ein Slow Food Presidio, nimmt am Biohof Sauschneider seit jeher eine zentrale Rolle ein. Gleich mit der Übernahme im Jahr 1988 stellten Peter und Liesi den Betrieb auf biologische Landwirtschaft um und begannen, gezielt nach standortangepassten Getreiden zu suchen. Der Tauernroggen erwies sich dabei als besonders geeignet für die Höhenlage des Lungaus – widerstandsfähig, mit etwas geringerem Ertrag, aber ausgeprägtem Aroma. Zwischen 80 und 90 Prozent der Flächen am Biohof Sauschneider sind heute dieser Sorte gewidmet, die über mehrere Jahre hinweg am selben Standort wachsen kann. Rund 30 bis 35 Tonnen Roggen werden jährlich geerntet, etwa 3 Tonnen bleiben als Saatgut am Hof. Peter hat sich über Jahrzehnte hinweg mit dem Getreidebau beschäftigt, zunächst mit Dinkel, später zunehmend mit Roggen. „Wir haben mit dem Tauernroggen den goldenen Vogel abgeschossen – aber für den Abschuss braucht es Zeit“, sagt er und verweist auf die lange Entwicklungsarbeit, die damit verbunden ist. Neben dem Tauernroggen werden weitere Ackerkulturen gepflegt, darunter Laufener Landweizen, Dinkel, Hanf, Leindotter, Kartoffeln und Kichererbsen.
Auch nach der Ernte bleibt der Roggen am Hof: Er wird gedroschen, getrocknet, gereinigt und in der hofeigenen Mühle vermahlen, bevor er weiterverarbeitet wird. Daraus entsteht ein reines Roggenvollkornbrot, das mit Natursauerteig und ohne Zuchthefe im Steinofen gebacken wird. Elisabeth bäckt drei- bis viermal pro Woche Brot und Gebäck für den Hofladen, für Vorbestellungen und für Gäste. Ergänzt wird das Sortiment durch Nudeln, Knäckebrot, süße Backwaren, Leindotteröl sowie verarbeitete Produkte wie Sugo und Speck.
Für Peter beginnt die Qualität des Getreides im Boden. Ausgehend von seinem Hobby als Fotograf, vielen Beobachtungen und vertieft durch zahlreiche Weiterbildungen sowie sein tägliches Tun widmete er sich im Laufe der Jahre immer intensiver dem Humusaufbau. Seit 2020 arbeitet er gezielt daran, die Bodenfruchtbarkeit weiter zu verbessern. Heute liegt der Humusgehalt seiner Böden bei 8,5%. „Wir hatten aber auch Gott sei Dank eine gute Ausgangslage“, ergänzt er. Der hohe Humusgehalt sorgt für stabile Erträge und gesunde Pflanzen. „Es ist klug, viel Zeit in die Gesundheit des Bodens zu investieren“, sagt er. „Ist der Boden gesund, dann ist die Pflanze gesund und auch der Mensch.“
Auch die Förderung der Biodiversität ist Teil der Bewirtschaftung. Matthias sammelt mit einem Wiesensaatgut-Ernte-Gerät Samen von artenreichen Wiesen und bringt diese auf anderen Flächen im Lungau wieder aus.
In diese Kreislauf- und Biodiversitätsbewirtschaftung ist auch die Haltung des Schwarzen Alpenschweins eingebunden, einer selten gewordenen Rasse, die seit 2018 am Biohof Sauschneider gehalten wird. Rund 35 Tiere leben ganzjährig im Freien und sind an die klimatischen Bedingungen des Lungaus angepasst – mitunter kann es im Winter bis zu minus 20 Grad kalt werden. Die Tiere sind beweglich und kommen auch in steilem Gelände gut zurecht. Sie wachsen langsam und brauchen deutlich länger bis zur Schlachtreife als konventionelle Rassen. Beim Wühlen lockern sie den Boden und übernehmen damit einen Teil der Bodenbearbeitung. Ihr Fleisch ist fein durchzogen, der Speck weich und aromatisch.
Alle Produkte, die Peter, Liesi und Matthias produzieren, werden direkt vermarktet: im Hofladen, auf dem Wochenmarkt und über ausgewählte Verkaufsstellen in der Region wie den „Kemmts Eina“ Laden in Tamsweg. Sie sind auch in der lokalen Gastronomie wie dem Restaurant Goldader und beim Gellnwirt in Tamsweg oder auf der Branntweineralm im UNESCO Biosphärenpark Lungau gefragt.