Karl

Biolandwirtschaft Fruhmann Silvia und Paul

Im mittelburgenländischen Karl führen Silvia und Paul Fruhmann ihre Biolandwirtschaft mit unverkennbarer Handschrift: seltene Kartoffelsorten, Kräuter und buntes Wurzelgemüse von Karotten über Topinambur bis Haferwurzel. Auf den schmalen Ackerstreifen des Mittelburgenlands wächst die pure Gemüsevielfalt – begleitet von Blühstreifen und der Zusammenarbeit mit einem benachbarten Biolandwirt.

„Nachhaltigkeit beginnt dort, wo jeder in seinem Kreis Verantwortung übernimmt.“

Silvia Fruhmann

„Bei Karotten und Kartoffeln bin ich der Hero“, sagt Silvia Fruhmann und lacht. Kein Wunder – kommen die Kund:innen doch genau wegen der besonderen Sorten zur Biolandwirtschaft Fruhmann im burgenländischen Karl. Zwischen den langen Reihen ihrer Felder im Mittelburgenland ist sofort spürbar, dass hier jemand mit Leidenschaft und Feingefühl arbeitet. Schon früh stand für Silvia fest: Kartoffelraritäten mit besonderem Geschmack möchte sie haben. Auf der Biofach in Nürnberg lernte sie den norddeutschen Kartoffelzüchter Julius Ellenberg kennen – und mit ihm eine Vielfalt besonderer Sorten. Ihren Kund:innen kann sie eine Vielfalt von Sorten anbieten: Nicola, Laura, Sunita, Adretta oder Gunda heißen Silvias Lieblingssorten.

Doch Karotten und Kartoffeln – oder Grumpan, wie die Kartoffeln im Burgenland genannt werden – sind längst nicht alles, was hier wächst. Silvia nutzt beinahe das ganze Jahr für den Gemüseanbau und kultiviert auch weniger bekannte Arten wie Topinambur, Schwarzwurzeln, Haferwurzeln und Pastinaken. Mindestens bis Ende Februar kann sie ihre Kund:innen mit Lagergemüse versorgen, bevor es im Frühjahr mit der frischen Ernte weitergeht. Spezialisiert ist sie auf Wurzelgemüse und Kohlgewächse. Auch innerhalb einzelner Kulturen probiert sie gerne unterschiedliche Sorten aus. „Der behutsame Umgang mit Lebensmitteln ist mir wichtig – und auch der richtige Erntezeitpunkt“, erklärt sie. Beides trägt – neben der Sortenwahl – zum intensiven und aromatischen Geschmack ihres Gemüses bei.

2009 übernahmen Silvia und ihr Mann Paul den Hof von Pauls Eltern – ein typisch burgenländischer Streckhof. Damals noch konventionell geführt, war für Silvia klar: Die Umstellung auf Bio ist ein Muss. Die Umstellung war hart, die Lernkurve steil, manche Jahre ein Ringen ums Weitermachen. Doch heute, über ein Jahrzehnt später, ist klar: Der Weg hat sich gelohnt. Den Boden lebendig und gesund zu erhalten, ist für beide zur zentralen Aufgabe geworden. Dafür setzen sie auf vielfältige Fruchtfolgen und Humusaufbau. „Was wir machen, ist nicht nur für jetzt, sondern auch für die nächste Generation“, sagt Silvia.

„Alles, was in unserem Gemüse steckt, wächst aus dem Boden, aus Sonne und Wasser“, sagt Paul – und erwähnt freilich auch die viele Handarbeit sowie das Hoffen und Bangen, bis die Ernte eingefahren ist. Die Gemüsefelder, rund ein Hektar der insgesamt 15 Hektar, sind so vielfältig wie das Sortiment. Die streifenförmigen Parzellen unweit des Hofes sind in Dammkultur bepflanzt – stets nebeneinander, was sich gut verträgt. Pastinaken und Rote Rüben zum Beispiel sind beste Nachbarn. Nebenan blühen Kräuter- und Blumenstreifen, die Bienen anlocken, die Pflanzen werden mit selbst angesetzten Tees gestärkt.

Eine wichtige Rolle spielt auch die Zusammenarbeit mit Stefan Hofleitner, „ein genialer Landwirt mit umfangreichem Wissen, ausgeprägtem Gespür für das Lebendige und viel landwirtschaftlicher Erfahrung“, wie Paul ihn beschreibt. Stefan – sein Schwerpunkt ist die Milchwirtschaft – bewirtschaftet mit Silvia die übrigen Ackerflächen. Gemeinsam entwickelten sie eine funktionierende Kreislaufwirtschaft. Die Flächen versorgen die Tiere mit Futter, während der Mist der Tiere wiederum als Dünger eingesetzt wird. Pflanzenbau und Tierhaltung greifen zum Wohle aller ineinander.

Durch den Verkauf im Hofladen kriegen die eigenen Produkte mehr Wertigkeit. „Für den Weltmarkt brauchen wir nicht produzieren, für den Handel möchten wir nicht produzieren“, sagen Silvia und Paul. Stattdessen kommt die gesamte Ernte in die Zusammenarbeit mit Stefans Betrieb, in einige regionale Gastronomiebetriebe, auf den Markt der Erde Lutzmannsburg und in den wöchentlichen Ab-Hof-Verkauf. Silvia nennt den Hofladen augenzwinkernd „Hint-Aussi ist unser Vorn-Aussi“ – weil er am anderen Ende des Streckhofs liegt. Dort können Kund:innen genauso viel kaufen, wie sie brauchen – auch nur zwei Karotten. Für manche ist das ungewohnt, für Silvia jedoch konsequent: „So verkommt nichts.“ Das Gemüse liegt in hübschen, handgefertigten Holzkisten mit Logo – gefertigt aus Eschenholz aus dem eigenen Wald. Ein Kreislauf, wie so vieles in der Biolandwirtschaft Fruhmann.

Auf einen Blick

Produzent:in

Biolandwirtschaft Fruhmann Silvia und Paul

bio-zertifiziert

Silvia Fruhmann
7372 Karl
Obere Gasse 16

Öffnungszeiten: Freitag von 12:00 bis 18:30

weitere Infos: Bauernmarkt in Raiding, Markt der Erde in Lutzmannsburg (Oktober bis Februar), Genussmarkt in Kirchschlag in der Buckligen Welt

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