Pabneukirchen

Circus n’Cheese – Biohof Luftensteiner

Landwirtschaft, Käsehandwerk und Zirkus: Auf dem Biohof Luftensteiner in Pabneukirchen gehen diese drei Welten eine ungewöhnliche Verbindung ein. Gemeinsam mit Familie und Freund:innen haben Sophia und Michi Luftensteiner einen Ort geschaffen, an dem aus frischer Bio-Rohmilch handwerklich hergestellter Käse entsteht und neben der Landwirtschaft auch die Kultur ihren festen Platz hat.

„Wir versuchen, mit der Landwirtschaft zu leben, nicht für die Landwirtschaft.“

Sophia-Marie Luftensteiner

„Wenn wir hierher auf den Hof ziehen, dann kommt der Zirkus mit“, war für Sophia-Marie Luftensteiner von Anfang an klar. Heute stehen auf dem Biohof Luftensteiner in Pabneukirchen im Unteren Mühlviertel nicht nur Stall, Käserei und Wirtschaftsgebäude, sondern auch ein Zirkuszelt und mehrere Zirkuswägen. Hier verbinden sich Landwirtschaft, handwerkliche Käseherstellung und Zirkuskultur zu einer ungewöhnlichen Hofgemeinschaft. Passenderweise trägt der Betrieb den Namen „Circus n’Cheese“.

Die Landwirtschaft hat am Hof eine lange Geschichte. Schon Michael Luftensteiners Eltern Maria und Franz Luftensteiner führten den Milchviehbetrieb im Vollerwerb und stellten ihn 1991 auf biologische Bewirtschaftung um. 2017 pachtete Michael den Hof, 2020 übernahm er ihn schließlich ganz. Gemeinsam mit seiner Frau Sophia wollte er die Landwirtschaft weiterführen, doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen waren schwierig: Drei Jahre lang wurde ihre Biomilch nur zum konventionellen Milchpreis abgenommen. Zeitweise stand sogar die Milchproduktion infrage.

Die Wende kam 2019, als ein mobiler Käser auf den Betrieb aufmerksam wurde. Er verarbeitete die Milch direkt am Hof und nahm die Laibe anschließend zur Reifung mit. Die ersten fünf Käsesorten fanden so großen Anklang, dass Sophia und Michael beschlossen, eine eigene Hofkäserei zu errichten. 2021 begannen die Umbauarbeiten. Dass ausgerechnet ihr Studienfreund und Zirkuskollege Andreas Geyer zum Käser werden würde, war dabei nicht geplant. Als er beim Umbau mithalf, fiel ihm ein Buch über natürliche Käseherstellung von David Asher in die Hände. Die Begeisterung war geweckt, ein gemeinsamer Käsekurs folgte. Heute verantwortet Andreas die Käseherstellung am Hof.

Die Grundlage dafür liefern rund 30 Milchkühe der Rassen Fleckvieh, Pinzgauer und Original Braunvieh. Auf insgesamt 40 Hektar bewirtschaftet die Hofgemeinschaft Grünland, Ackerflächen und Wald. Seit 2023 ist der bereits seit 1991 biologisch bewirtschaftete Hof auch ein Heumilchbetrieb. Das Futter stammt aus eigener Produktion, für die Heutrocknung wurde eigens eine Anlage errichtet. Die Kühe haben Zugang zur Weide und verbringen heiße Sommertage oft lieber im kühleren Stall, bevor sie nachts hinausgehen. Viele Tiere bleiben bis ins hohe Alter am Hof, jedes hat seinen eigenen Namen.

In der Hofkäserei wird ausschließlich Bio-Rohmilch verarbeitet, möglichst frisch und noch kuhwarm. „Wir sind davon überzeugt, dass in der frisch gemolkenen, noch warmen Rohmilch die besten Inhaltsstoffe und Mikroorganismen für die Käseherstellung sind“, erklärt Sophia. Für die Säuerung verwendet Andreas selbst hergestellte Kulturen aus der hofeigenen Milch. So entstehen mittlerweile zwölf verschiedene Käsesorten, darunter Tomme, Raclette, Bergkäse, Cheddar, Blauschimmelkäse sowie Grill- und Pfannenkäse. Gereift wird im eigenen Gewölbekeller, wo natürliche Mikroorganismen die Käse prägen. Bei manchen Sorten entwickelt sich eine braune, essbare Naturrinde, an deren Reifung auch Käsemilben beteiligt sind. Rund zwei Tonnen Käse entstehen so jährlich, ein Teil der Milch wird weiterhin an die Molkerei geliefert.

Dass Landwirtschaft, Käserei und Zirkus nebeneinander funktionieren, liegt vor allem an den Menschen, die den Hof gemeinsam bewirtschaften. Die Aufgaben haben sich mit der Zeit nach den jeweiligen Fähigkeiten und Interessen verteilt: Michael kümmert sich um Landwirtschaft, Tiere und Technik, Andreas um die Käseherstellung. Sophia organisiert Käsepflege, Verkauf, Vertrieb und Buchhaltung ebenso wie das Zirkusprogramm. Auch Maria und Franz arbeiten weiterhin am Hof mit. Dazu kommen Freund:innen, Helfer:innen und Praktikant:innen. Sophia, die selbst nicht aus der Landwirtschaft stammt, konnte mit ihrem Blick von außen die Stärken der einzelnen Menschen erkennen und die Entwicklung der Hofgemeinschaft mitgestalten.

„Wir versuchen, mit der Landwirtschaft zu leben, nicht für die Landwirtschaft“, beschreibt Sophia die Haltung dahinter. Dass dieser Anspruch im arbeitsintensiven bäuerlichen Alltag nicht immer leicht umzusetzen ist, verschweigt sie nicht. Gegenseitige Unterstützung, Vertretung und gemeinsame Verantwortung sollen dennoch Raum für ein Leben neben der Arbeit schaffen.

Und dann ist da noch der Zirkus. Sophia stammt ursprünglich aus Niedersachsen, besuchte eine Zirkusschule in Mainz und arbeitete lange als Artistin und Zirkuspädagogin. Als sie zu Michael nach Oberösterreich zog, brachte sie diesen Teil ihres Lebens mit. Heute finden am Hof Zirkuswochen für Kinder, Vorstellungen, Workshops und internationale Zirkusprojekte statt. Bei Hofführungen und Verkostungen wiederum können Besucher:innen die Landwirtschaft und das Käsehandwerk kennenlernen.

„Kultur macht unsere Milch zu Käse und unseren Bauernhof zu einem Zirkus“, fasst Andreas die Philosophie zusammen. Gemeint sind damit sowohl die mikrobiellen Kulturen, die aus Rohmilch Käse entstehen lassen, als auch die kulturellen Aktivitäten, die den Hof zu einem Ort der Begegnung machen.

Auf einen Blick

Produzent:in

Circus n’Cheese – Biohof Luftensteiner

bio-zertifiziert

Sophia-Marie Luftensteiner
4363 Pabneukirchen
Neudorf 26

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