Sibratsgfäll

Dorners Lädele

Als der Dorfladen in Sibratsgfäll vor dem Aus stand, haben Markus und Tanja Dorner die Initiative ergriffen und das Geschäft als Selbstbedienungsladen neu eröffnet. Heute verbindet Dorners Lädele die Nahversorgung im Dorf mit der Vielfalt des regionalen Slow Food Netzwerks. Die treibende Kraft dahinter ist Tanja, die Produzent:innen, Kreative und Dorfbewohner:innen zusammenbringt.

„Das Lädele soll nicht einfach ein Geschäft sein, sondern ein Laden für das ganze Dorf.“

Tanja Dorner

Was passiert, wenn der letzte Nahversorger in einem kleinen Dorf zusperrt? Für Markus und Tanja Dorner vom Dorner Hof in Sibratsgfäll im Bregenzerwald war klar, dass sie es nicht so weit kommen lassen wollten. Als die Zukunft des örtlichen Dorfladens ungewiss wurde, haben die beiden die Initiative ergriffen und das Geschäft als Selbstbedienungsladen neu eröffnet. Damit ist nicht nur eine wichtige Einkaufsmöglichkeit im Dorf erhalten geblieben, sondern auch ein Ort entstanden, an dem regionale Lebensmittel einen besonderen Stellenwert haben.

Denn Dorners Lädele ist ein vollwertiger Nahversorger, in dem die Dorfbewohner alles finden, was sie für den täglichen Bedarf brauchen. Von Lebensmitteln bis zu den wichtigsten Dingen des Alltags ist für den regelmäßigen Einkauf gesorgt. Darüber hinaus finden sich in den Regalen zahlreiche Spezialitäten von kleinstrukturierten Produzent:innen aus dem Bregenzerwald und anderen Teilen Vorarlbergs.

Vor allem Tanja steckt viel Engagement in die Weiterentwicklung des kleinen Geschäfts. Sie kennt die Menschen hinter den Produkten, vernetzt Produzent:innen und Kreative aus Sibratsgfäll und der Umgebung und bietet ihnen mit dem Lädele eine Plattform für ihre Erzeugnisse. „Mir ist wichtig, dass die Menschen, die bei uns in der Region mit so viel Leidenschaft etwas herstellen, auch einen Platz bekommen, wo sie ihre Produkte verkaufen können“, sagt Tanja.

Dabei kann sie auf ein Netzwerk zurückgreifen, das über viele Jahre gewachsen ist. Gemeinsam mit Markus hat sie den monatlichen Slow Food Markt der Erde Sibratsgfäll mitaufgebaut, der sich zu einem Treffpunkt für regionale Produzent:innen und Konsument:innen entwickelt hat. Viele der Menschen, die dort ihre Lebensmittel direkt anbieten, sind auch mit ihren Produkten im Lädele vertreten und damit über die Markttage hinaus im Dorf präsent.

Schon die Käseauswahl erzählt von Menschen, die ihr Handwerk mit Überzeugung ausüben. Am Biohof Hilkater in Bizau verarbeiten Lucia und Daniel Flatz die Milch ihrer Kühe direkt in der eigenen Hofsennerei zu verschiedenen Rohmilchkäsen. Aus Andelsbuch kommt der Hornbergkäse von Reinhard und Karin Bär, die sich seit vielen Jahren für die Erhaltung des Original Braunviehs einsetzen und ihre Rohmilch noch ganz traditionell zu Bergkäse verarbeiten.

Wie vielfältig das Lebensmittelhandwerk im Slow Food Netzwerk ist, zeigen auch die Pestos, Saucen und Suppen von Ulrikas Manufaktur in Dornbirn, die mit ausgewählten Zutaten und kreativen Rezepturen entstehen. Sabine und Xaver aus dem Großen Walsertal steuern handgemachte Bio-Kekse bei, für die sie eigene Rezepturen entwickeln und regionale Bio-Zutaten verwenden. Dazu kommen hochwertige Öle aus der Ölmanufaktur Österle in Krumbach, wo Saaten, Kerne und Nüsse schonend in der eigenen Manufaktur gepresst werden.

Auch der Vorarlberger Riebelmais von Richard Dietrich hat seinen Platz in den Regalen. Die alte Maissorte war einst ein wichtiges Grundnahrungsmittel im Rheintal, bevor sie beinahe aus dem Anbau verschwunden ist. Heute zählt der Vorarlberger Riebelmais zu den Passagieren der Slow Food Arche des Geschmacks, die vom Verschwinden bedrohte Lebensmittel, Sorten und traditionelles Wissen bewahren will.

Eine besondere Rolle spielt auch die Lebensmittelproduktion im Dorf selbst. Mehrmals pro Woche gibt es frisch gebackenes Brot und Gebäck von Bäckermeister August Dorner, zu dessen Spezialitäten auch die Hildegard-Gewürzkekse gehören – gebacken nach einem jahrzehntealten Rezept seines Onkels. Frisches Gemüse in Bio-Qualität kommt direkt vom Dorner Hof, wo Markus und Tanja mit einem eigenen Gewächshaus auf 900 Meter Seehöhe einen weiteren Schritt in Richtung Selbstversorgung gemacht haben. „Im und aus dem eigenen Dorf“ lautet die Devise. Auch Weiderindfleisch, Eier und Dinkelnudeln stammen aus der eigenen Bio-Landwirtschaft.

Doch Tanja geht es nicht nur um Lebensmittel. Sie möchte möglichst vielen Menschen aus dem Dorf die Gelegenheit geben, ihre Ideen und Produkte sichtbar zu machen. Deshalb finden sich im Lädele auch Dekoratives und Handgemachtes aus Sibratsgfäll, etwa kleine Figuren in traditioneller Bregenzerwälder Tracht, die mithilfe eines 3D-Druckers entstehen.

Wie sich Dorners Lädele weiterentwickelt, entscheidet aber nicht allein Tanja. Auch die Sibratsgfäller:innen sind eingeladen, ihre Wünsche und Ideen einzubringen: Welche Produkte fehlen noch im Sortiment? Was könnte verbessert werden? Was braucht es im Dorf? „Das Lädele soll nicht einfach ein Geschäft sein, sondern ein Laden für das ganze Dorf. Deshalb freuen wir uns, wenn die Leute uns sagen, was sie brauchen, was ihnen fehlt oder was wir noch besser machen können“, sagt Tanja.

Auf einen Blick

Manufaktur

Dorners Lädele

Tanja Dorner
6952 Sibratsgfäll
Dorf 38

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