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EM Bodensee

Boden aufbauen, organische Reststoffe wieder nutzbar machen und Fäulnis möglichst früh vermeiden: Bernd Pulsinger beschäftigt sich mit seinem Unternehmen EM Bodensee seit vielen Jahren mit der Frage, wie Mikroorganismen in Landwirtschaft, Garten und Kompostierung eingesetzt werden können. Dabei geht es ihm weniger um einzelne Produkte als um das Zusammenspiel von Boden, Pflanzen, Tieren und organischen Materialien.

„Erst den Boden stärken, dann die Wurzel, dann die Pflanze.“

Bernd Pulsinger

Bei Bernd Pulsinger landet man schnell bei den großen Zusammenhängen. Wenn er über Boden spricht, geht es bald um Wurzeln, Pflanzen und Tiergesundheit. Wenn er von Gülle erzählt, um Nährstoffe, Geruch und Stallklima. Und bei Hackschnitzeln schließlich um Restholz, Trocknung, Heizwert und die Frage, wie sich ein Material möglichst sinnvoll weiterverwenden lässt. Der rote Faden dahinter ist immer derselbe: Kreisläufe so zu gestalten, dass möglichst wenig verloren geht.

Seit rund 2010 beschäftigt sich Bernd mit Effektiven Mikroorganismen, kurz EM. Gemeinsam mit seiner Frau Edith betreibt er EM Bodensee in Hörbranz. Angefangen hat alles mit Kompost und einem Vortrag, der seine Neugier geweckt hat. Bernd begann sich intensiver mit Mikroorganismen und Fermentation auseinanderzusetzen, absolvierte eine Ausbildung zum EM-Berater und machte das Thema schließlich auch beruflich zu seinem Schwerpunkt. „Das Spannende ist für mich nicht das einzelne Produkt, sondern was sich im ganzen System verändert“, sagt er.

Das Konzept der Effektiven Mikroorganismen geht auf den japanischen Agrarwissenschafter Teruo Higa zurück. Zum Einsatz kommen Mischkulturen verschiedener Mikroorganismen, darunter Milchsäurebakterien und Hefen. Das dahinterliegende Prinzip der Fermentation ist aus der Lebensmittelherstellung vertraut: Auch bei Sauerkraut oder Silage sorgen Mikroorganismen dafür, dass organisches Material unter bestimmten Bedingungen vergoren und stabilisiert wird.

Bernd spricht in diesem Zusammenhang gerne von „Milieu-Lenkung“. Statt nur gegen einen unerwünschten Pilz oder einen Fäulnisprozess vorzugehen, versucht er die Bedingungen so zu verändern, dass sich andere mikrobielle Prozesse durchsetzen können. „Es geht nicht darum, einen einzelnen Pilz zu bekämpfen. Entscheidend ist, das Milieu so zu verändern, dass er sich gar nicht erst wohlfühlt.“

In der Landwirtschaft beginnt das für ihn beim Boden. Vor einigen Jahren übernahm Familie Pulsinger zusätzlich eine biologische Landwirtschaft mit Gemüse- und Beerenkulturen, die mittlerweile von Bernds und Ediths Sohn weitergeführt wird. Bodenfruchtbarkeit und Wurzelwachstum stehen für Bernd dabei am Anfang. „Erst den Boden stärken, dann die Wurzel, dann die Pflanze“, fasst er seinen Ansatz zusammen.

Mikroorganismen setzt er deshalb sowohl über den Boden als auch direkt an den Pflanzen ein. Entscheidend ist für ihn dabei weniger die Behandlung einzelner Symptome als die Frage, unter welchen Bedingungen Pflanzen wachsen und wie sich diese Bedingungen langfristig verbessern lassen.

Auch bei Gülle und Mist setzt Bernd möglichst früh im Prozess an. Statt organisches Material faulen zu lassen, versucht er fermentative Prozesse zu fördern. Landwirt:innen, die mit EM arbeiten, berichten ihm dabei etwa von weniger Geruch, weniger Fliegen und Veränderungen im Stallklima. „Fliegen sind dort, wo Fäulnis ist“, sagt Bernd. „Wenn ich die Fäulnis unterbreche, verändere ich auch die Bedingungen.“

Ein ähnlicher Gedanke steckt hinter Bokashi. Küchen- oder Gartenabfälle werden dabei nicht klassisch kompostiert, sondern unter weitgehendem Luftabschluss fermentiert. Das entstandene Material kann anschließend wieder in den Boden eingebracht werden. Für Bernd ist das ein Muster, das sich durch viele seiner Anwendungen zieht: nicht entsorgen, sondern überlegen, wie etwas wieder Teil eines Kreislaufs werden kann.

Besonders anschaulich wird das bei den Hackschnitzeln. Bernd verwendet dafür auch Holz, das andernorts kaum mehr gefragt ist – minderwertigeres Holz und sogenanntes Abräummaterial aus der Waldarbeit. Das Material wird gehackt, gesiebt und mit Mikroorganismen behandelt. Nach seiner Erfahrung trocknet es dadurch schneller ab und erhitzt sich bei der Lagerung weniger stark. Ein großer Teil kann anschließend als Brennstoff genutzt werden, weitere Teile etwa als Einstreu. „So können wir Holz verwenden, das andere gar nicht wollen“, sagt Bernd.

Neben der Arbeit mit landwirtschaftlichen Betrieben spielt deshalb die Wissensvermittlung eine große Rolle. Bernd hält Vorträge bei Obst- und Gartenbauvereinen, gibt Workshops zu EM, Bokashi, Boden oder Pflanzenkohle und erklärt auf Märkten, was bei Fermentation und mikrobiellen Prozessen passiert. Wichtig ist ihm, dass Menschen nicht einfach ein Mittel anwenden, sondern die Zusammenhänge verstehen und beobachten, was sich im eigenen Betrieb verändert.

Denn auf ein einzelnes Präparat lässt sich sein Ansatz ohnehin nicht reduzieren. „Nur EM reinschütten hilft nichts“, sagt Bernd. „Der ganze Kreislauf muss stimmen.“

Auf einen Blick

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6912 Hörbranz
Allgäustraße 52

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