Auf knapp 1.000 Metern Seehöhe am Fuß der Gleinalm hat Anna Höller einen alten Familienhof wieder landwirtschaftlich nutzbar gemacht. Heute kultiviert sie dort mehr als 40 Kräuterarten und betreibt mitten im weststeirischen Geistthal eine vielfältige Marktgärtnerei. Ihr Ziel: eine kleinstrukturierte, regionale Lebensmittelversorgung, die Menschen wieder unmittelbar mit der Herkunft ihrer Lebensmittel verbindet.
„Ich habe meinen kleinen Betrieb aus der tiefsten Überzeugung heraus gegründet, dass eine regionale und kleinstrukturierte Versorgung bei uns wieder möglich sein darf.“
Anna Höller
„Ich habe meinen kleinen Betrieb aus der tiefsten Überzeugung heraus gegründet, dass eine regionale und kleinstrukturierte Versorgung bei uns wieder möglich sein darf“, sagt Anna Höller. Mit gratiaHerba hat die Gärtnermeisterin ihre Leidenschaft für Pflanzen zum Beruf gemacht. Schon als Kind wollte sie jeden Baum und jede Blume beim Namen kennen. Später besuchte sie die Försterschule in Bruck an der Mur, absolvierte eine Ausbildung zur Zierpflanzengärtnerin und legte die Meisterprüfung im Gartenbau ab. 2022 wurde sie als „Meisterin des Jahres“ ausgezeichnet.
Begonnen hat alles 2019 mit einigen Kräuterpflanzen auf einem Grundstück ihrer Familie am Fuß der Gleinalm. Der ehemalige Bergbauernhof „vulgo Hochbauer“ liegt auf rund 980 Metern Seehöhe und wird von Anna in vierter Generation bewirtschaftet. Bis 1930 lebten hier bis zu sieben Menschen mit ihren Nutztieren unter einem Dach. Ein kleiner Erdäpfelacker und ein Gemüsegarten dienten der Selbstversorgung. Später wurde das Grundstück noch als Weide genutzt, bevor sich der Wald die offenen Flächen zunehmend zurückholte. Anna Höller machte das Gelände wieder landwirtschaftlich nutzbar und legte 2022 einen neuen Kräutergarten an.
Auf dem sonnigen, leicht kalkhaltigen Hang wachsen heute mehr als 40 Kräuterarten, ergänzt durch rund 20 wild gesammelte Arten. Bei der Gestaltung des Gartens setzt Anna auf naturnahe Strukturen: Steinmauern, Hügelbeete und punktuelle Mahd schaffen vielfältige Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Bewässert wird nicht. Die überwiegend mehrjährigen, winterharten Kräuter wachsen unter den rauen klimatischen Bedingungen langsam und entwickeln nach ihrer Erfahrung eine intensive Aromatik.
Geerntet wird von Hand, bevorzugt an sonnigen Tagen um die Mittagszeit. Meist können die Kräuter zweimal jährlich geschnitten werden. Anschließend zupft Anna die Blätter einzeln von den Stängeln und trocknet sie schonend bei maximal 38 Grad. Ihr Trockenschrank, den sie „Herbert“ nennt, entzieht den Pflanzen mittels Kondensation die Feuchtigkeit. So bleiben die Blätter weitgehend unversehrt und behalten möglichst viel von ihrem Duft und Geschmack. Die getrockneten Kräuter verarbeitet sie unter anderem zu Teemischungen, Gewürzen und Kräutersalzen.
Die Vielfalt beschränkt sich nicht auf den Kräutergarten. Mitten in Geistthal hat Anna auf ehemaligem Grünland eine Marktgärtnerei angelegt. „In der Marktgärtnerei wachsen jetzt 40 verschiedene Kulturen, umrandet von einer vogelfreundlichen Hecke mit Stauden und Blumen“, erzählt sie. Von Mai bis November stellt sie wöchentlich saisonale Gemüsekisten zusammen, die ihre Abonnent:innen direkt im Garten abholen. Dort bleibt auch Zeit für persönliche Gespräche: „Da gibt es immer die Möglichkeit, durch den Garten zu spazieren, ich nehme mir Zeit für Fragen, Tipps, Rezeptideen.“ Der unmittelbare Austausch mit ihren Kund:innen und die Transparenz über die Herkunft ihrer Lebensmittel sind Anna besonders wichtig.
Ihre Produkte verkauft sie über ihren Selbstbedienungsladen in Geistthal, den Onlineshop und ausgewählte regionale Geschäfte. Auch im benachbarten Trautentalwirt, dem Gasthaus Rainer in Geistthal, kommen ihre Gewürzmischungen und Kräutertees zum Einsatz.