St. Johann am Wimberg

KG Biohof

Katrin Eckerstorfer und Georg Winkler führen am Kitzberg in St. Johann am Wimberg im Mühlviertel einen Biohof mit Heumilchviehhaltung, umfassender Direktvermarktung und eigenem Gemüsebau, der konsequent auf Kreislaufwirtschaft und hofeigene Verarbeitung setzt.

„Wir möchten ein Vorzeigebetrieb für das Mühlviertel sein und zeigen, dass wir auch ohne Handel eigenständig sowie transparent und authentisch Lebensmittel produzieren können.“

Katrin Eckerstorfer und Georg Winkler

In St. Johann am Wimberg im Mühlviertel haben Katrin Eckerstorfer und Georg Winkler den elterlichen Betrieb übernommen und grundlegend neu ausgerichtet. Was bis 2020 ein konventioneller Hof mit Anbindehaltung war, wurde mit der Übernahme in einen Bio-Heumilchbetrieb umgebaut – inklusive neu errichtetem Tierwohlstall und zweijähriger Umstellungszeit. „Mit der Übernahme haben wir sogleich den Bio-Kontrollvertrag unterschrieben“, sagt Katrin. Seit 2022 ist der Betrieb zertifiziert biologisch. „Bio ist für uns nicht nur ein Siegel – Bio ist für uns eine Lebenseinstellung, die uns jeden Tag und jede Minute begleitet. Meiner Meinung nach macht ausschließlich die Bio-Landwirtschaft mit ihrer Kreislaufwirtschaft Sinn, auch hinsichtlich Resilienz für die Zukunft – sei es der Markt oder Klimakrisen.“

Beide sind auf landwirtschaftlichen Betrieben aufgewachsen. Georg bringt neben der Praxis am elterlichen Bio-Heumilchbetrieb eine Ausbildung als Zimmerer, land- und forstwirtschaftlicher Facharbeiter sowie als Förster mit. Katrin absolvierte zunächst eine Lehre zur Bürokauffrau mit Matura, studierte später Agrarwissenschaften an der BOKU und ist geringfügig als wissenschaftliche Mitarbeiterin am FiBL tätig. Die Verbindung aus Praxis, Ausbildung und wissenschaftlichem Zugang prägt ihre Entscheidungen am Hof.

Drei Standbeine sichern die Struktur des Betriebs: die Bio-Heumilchviehhaltung mit derzeit 24 Milchkühen, die Direktvermarktung der Milch und ihrer Verarbeitung sowie ein kleiner, vielfältiger Gemüsebau. Die Milch bildet das Zentrum. „Im Mittelpunkt steht bestimmt unsere Bio-Heumilch, die wir als Rohmilch bei uns im Hofladen anbieten“, sagt Katrin. „Die Milch ist so ein vielseitiges und wertvolles Produkt. Für mich ist es einfach faszinierend, dass die Rohmilch das einzige Lebensmittel ist, von dem man leben könnte, gäbe es nichts anderes. Denn sie enthält alle Nährstoffe, die unser Körper zum Leben braucht. Aus Milch können so viele verschiedene Produkte erzeugt werden, und jedes davon ist in seinem Geschmack einzigartig. Und so vielfältig wie die Milch ist, versuchen wir auch unseren Betrieb zu führen.“ Aus der Bio-Heumilch entstehen Natur- und Fruchtjoghurts mit hofeigener Fruchtzubereitung, Frischkäsevariationen, Butter, Topfen, Molke und Grießpudding. Hinzu kommen Brot aus Sauerteig, Teigwaren, Mehl, Flocken und Knuspermüsli – das Getreide stammt zu hundert Prozent von den eigenen Feldern.

Tierwohl steht bei Katrin und Georg an oberster Stelle: „Unsere Tiere nehmen einen sehr großen Platz in unserem Herzen ein. Sie sind für uns nicht nur Nutztiere, sie sind wie Haustiere. Wir versuchen, ihnen das beste Tierleben zu ermöglichen, das sie haben können.“  So bekommen ihre Tiere ausschließlich Heu, Grünfutter und betriebseigenes Getreide verfüttert; auf vergorene Futtermittel wird vollständig verzichtet. „Was wir bewusst vermeiden, ist der Zukauf von Fertigfuttermitteln für die Milchkühe, um Milchleistung zu erzielen, denn das entspricht nicht unserer Philosophie“, sagt Katrin. Das Heu wird in einer Heubelüftungsanlage mithilfe von Sonnenstrom nachbelüftet, um Qualität und Nährstoffe zu erhalten. Die Wiesen werden mosaikartig bewirtschaftet, nicht in einem Schnitt gemäht, sodass Insekten fortlaufend Lebensräume vorfinden.

Eine zentrale Rolle spielt der Wirtschaftsdünger. Durch die Tretmistliegefläche im Stall fällt viel Mist an, der als wertvoller Dünger auf den rund 40 Hektar Wiesen und Feldern ausgebracht wird. Die entstehende Streuauflage schützt die Grasnarbe vor dem Austrocknen und versorgt Boden und Pflanzen mit Nährstoffen. „Somit erzielen wir auf Dauer einen resilienten Grünlandbestand und richtig gutes Futter auch für unser Bodenleben“, sagt Georg. „Grundsätzlich fühlen wir uns in unserer Arbeit neben unseren Tieren auch besonders für unseren Grund und Boden verantwortlich – denn beide sind dafür verantwortlich, dass wir von diesem Betrieb leben können. „Geht’s den Tieren gut, geht’s dem Bauer gut“, und ich finde, das passt auch ganz gut in Bezug auf Grund und Boden“, ergänzt Katrin.

Der Gemüsebau ergänzt den Kreislauf. Vom Samenkorn bis zum erntereifen Produkt entsteht alles am Hof, gedüngt mit den eigenen Betriebsmitteln. Frischgemüse wird im Hofladen angeboten, im Sommer auch an einen Wirt im Ort und einen Regionalladen geliefert. Die Fruchtzubereitungen für Joghurts, Kräutersalz aus eigenen Kräutern oder eingelegtes Gemüse entstehen ebenfalls vor Ort. „Wir versuchen, den Kreislauf am Betrieb so zu schließen, dass er sich – bis auf den Strohzukauf – selbst schließt“, sagt Georg.

Die Direktvermarktung ist bewusst gewählt. Die Produkte sind ausschließlich im eigenen Hofladen erhältlich. Während des Einkaufs können Kundinnen und Kunden die Kühe beobachten. „Mit der Direktvermarktung wollen wir wieder authentisch zeigen, wie Landwirtschaft funktioniert und wie ein fertiges Produkt an einem einzigen Standort ganz ohne Transport entstehen kann.“ Auch über soziale Medien gibt Katrin Einblick in ihren Arbeitsalltag. „Wir wollen zeigen, dass jeder und jede mit seinem oder ihrem Griff ins Regal einen Produktionsauftrag gibt. Somit haben wir es alle in der Hand, wo unsere Lebensmittel herkommen.“

Für Katrin zeigt sich die Qualität ihrer Arbeit im Geschmack: „An dem einzigartigen Aroma, das man durch das Urprodukt Bio-Heumilch erreicht. So vollmundig und mild wie unser Naturjoghurt – da weiß man einfach, dass etwas Gutes dahinterstecken muss.“ Der Aufwand ist hoch – ob eigene Jungpflanzenanzucht, Heuwirtschaft oder Fruchtzubereitung – doch genau darin sehen sie den Kern ihres Weges. „All dies sind Mehraufwände, die unseren Alltag prägen. Aber gerade das sind die einzig richtigen Entscheidungen für uns.“

Katrins großer Wunsch: „Wir möchten ein Vorzeigebetrieb für das Mühlviertel sein und zeigen, dass wir auch ohne Handel transparent und authentisch im Haupterwerb Lebensmittel produzieren können.“ 

Auf einen Blick

Produzent:in

KG Biohof

bio-zertifiziert

Katrin Eckerstorfer und Georg Winkler
4172 St. Johann am Wimberg
Petersberg 34

Öffnungszeiten: Verkaufshütte „BioEck“ 24 Stunden geöffnet

zurück zur Übersicht