Daniela und Lukas Griesbacher bewirtschaften den Kürnsteiner Hof in der Gemeinde Rechberg im unteren Mühlviertel, wo sie einen vielfältigen Bio-Betrieb mit Fleisch vom Waldviertler Blondvieh, Streuobstverarbeitung, einem Agroforstsystem sowie einem Wohnwagon führen.
„Vielfalt ist Grundlage allen Lebens. Wir dürfen niemals vergessen, wie gut die Vielfalt schmeckt.“
Daniela & Lukas Griesbacher
Am Kürnsteiner Hof in Rechberg im Mühlviertel haben Daniela und Lukas Griesbacher einen rund 200 Jahre alten Familienbetrieb übernommen und in eine neue Richtung weiterentwickelt. Beide verließen die Region zunächst für ihr Studium in Wien – Daniela für Agrarwissenschaften und Landschaftsplanung an der BOKU, Lukas für Agrarwissenschaften und später Sozial- und Humanökologie. Aufenthalte in Ecuador und Bhutan prägten insbesondere Lukas‘ Blick auf kleinstrukturierte Landwirtschaft. Die Rückkehr erfolgte unerwartet, ebenso die Möglichkeit zur Übernahme. „Das war auf keinen Fall eine leichte Entscheidung“, sagt Daniela, „aber nach reiflicher Überlegung überwogen die vielen Möglichkeiten und die Liebe zur Natur und Landwirtschaft.“
Seit der Übernahme im Jahr 2021 bewirtschaften die beiden ihren Betrieb biologisch. Vieles davon war bereits zuvor Teil ihrer Praxis. „Die meisten Standards sind für uns ohnehin selbstverständlich. Das Zertifikat ist eigentlich Formsache für uns“, sagt Daniela. Die Arbeit erfolgt überwiegend handwerklich, mit einem klaren Bezug zu gewachsenen Strukturen. Im Mostkeller und bei der Verarbeitung kommen Geräte zum Einsatz, die seit Generationen verwendet werden. Gleichzeitig ist der Betrieb von kontinuierlichem Ausprobieren geprägt. „In beinahe allen Bereichen unserer Landwirtschaft betreiben wir Pionierarbeit“, sagt Lukas. „Es gibt oft sehr wenige Erfahrungswerte – wir tasten uns Schritt für Schritt vor.“
Diese Offenheit zeigt sich auch in der Organisation. Mehrere Standbeine greifen ineinander: Tierhaltung, Ackerbau, Obstverarbeitung und ein kleines touristisches Angebot. Die Diversifizierung ist bewusst gewählt, um flexibel zu bleiben und Risiken zu streuen. Gearbeitet wird im Mehrgenerationenhaushalt, bei Acker- und Grünlandarbeiten unterstützen glücklicherweise auch die Eltern.
Auf Streuobstwiesen wachsen alte Obstbäume, in der Tierhaltung haben sich die beiden auf das Waldviertler Blondvieh aus der Arche des Geschmacks spezialisiert. Die Tiere entwickeln sich langsam, sind robust und liefern Fleisch mit eigenständigem Geschmack. Wirtschaftlich sei das nicht immer naheliegend, sagt Lukas, doch die Entscheidung falle bewusst so aus. Ähnlich verhält es sich in der Verarbeitung: Bei der Cidreproduktion verzichten sie auf viele Eingriffe und Zusätze, obwohl diese selbst im Bio-Bereich möglich wären. „Das würde manches einfacher machen“, sagt er, „aber genau der handwerkliche Zugang trägt dann auch seine geschmacklichen Früchte.“
Ein Agroforstsystem verbindet Weide und Obstbau. In Reihen gepflanzte Walnuss-, Quitten-, Nashi-Birnen-, Mispel- und Edelkastanienbäume strukturieren die Flächen, auf denen die Rinder grasen. Tierhaltung und Pflanzenbau greifen ineinander, während sich das System über Jahre entwickelt. Die Arbeit orientiert sich dabei an langfristigen Zusammenhängen. „Das Land für die Dauer unserer Bewirtschaftungszeit zu einem immer lebenswerteren Ort zu machen“, beschreibt Daniela als zentrale Aufgabe. „Ein kleines Paradies, für das es sich zu arbeiten und zu leben lohnt.“
Danielas und Lukas‘ Produktpalette ist breit. Neben Fleisch und veredelten Produkten wie Edelschimmelsalami oder Pastrami entstehen aus Obst naturtrüber Most, flaschenvergorener Cidre, Essig oder Verjus. Ur-Dinkel wird zu Mehl, Grieß oder Flocken verarbeitet, dazu kommen Marmeladen, Chutneys und schwarze Nüsse. Einige Verarbeitungsschritte erfolgen in Zusammenarbeit mit handwerklichen Betrieben in der Region, etwa bei Schlachtung, Trocknung oder Vermahlung.
Mit dem Mühlviertel liegt der Betrieb in einer Region, in der Landwirtschaft und Zusammenarbeit eng verbunden sind. Der Austausch mit anderen Betrieben prägt den Alltag ebenso wie die ruhige, wenig touristisch erschlossene Umgebung: „Boden, Klima und Topographie beeinflussen das Spektrum unserer Standbeine und die Qualität unserer Produkte. Zudem sind wir in der glücklichen Lage in einer Gemeinde mit vielen (Bio-)Bauern zu leben, wo Zusammenarbeit und Kooperation unter Landwirten noch einen sehr hohen Wert hat“, sagt Lukas. Für Gäste steht ein Wohnwagon bereit, der sich in diese Struktur einfügt. „Je länger wir hier sind, desto stärker wird der Sinn, den wir in den Beziehungen mit allem Lebendigen finden“, sagt Daniela.
Was als gelungen gilt, entsteht für Daniela und Lukas oft aus neuen Blickwinkeln auf Bestehendes. „Wenn wir die ureigenen Potentiale des Hofes erkennen und daraus eine Neudeutung entwickeln, die zu seiner Geschichte und zu unserer Vision passt“, sagt Daniela.