Hittisau

Leos Permakulturhof

Auf rund zwei Hektar zeigt Familie Simma in Hittisau, wie vielfältige Lebensmittelproduktion, Bodenfruchtbarkeit und regionale Kreisläufe zusammenspielen können – vom eigenen Kompost über Jungpflanzen, Gemüse und alte Obstsorten bis zur Verarbeitung und Direktvermarktung.

„Kompost ist Medizin für unseren Garten.“

David Simma

„Kompost ist Medizin für unseren Garten“, sagt David Simma und greift damit ziemlich genau den Kern des Permakulturhofs seiner Familie. Hier beginnt vieles beim Boden: bei Mikroorganismen, Humus und der Frage, wie Pflanzen kräftig wachsen können, ohne dass bei jedem Problem zu Dünger oder Pflanzenschutz gegriTen wird.

Seit 2007 hat die Familie Simma den rund zwei Hektar großen Hof in Hittisau Schritt für Schritt aufgebaut. Angefangen hat alles mit einem kleinen Gemüse- und Kräutergarten und rund 30 Obstbäumen. Dahinter stand vor allem Leo Simmas Wunsch, Lebensmittel nicht nur zu verkaufen, sondern selbst zu erzeugen und zu verstehen, „was dahintersteckt“. Er betrieb damals einen Bioladen, begann parallel anzubauen und beschäftigte sich immer intensiver mit Permakultur. Weiterbildungen, unter anderem beim Permakulturpionier Sepp Brunner, prägten die Entwicklung des Hofes. 2025 übernahm Sohn David den Betrieb.

Was Leo aufgebaut hat, entwickelt die Familie heute gemeinsam weiter. Ein Schlüssel dazu ist die gelenkte Heißkompostierung, mit der direkt am Betrieb guter Boden für den Anbau von Obst, Gemüse und Kräutern entsteht. Aus Grasschnitt, Häckselmaterial, Mist, altem Kompost und lehmhaltiger Erde entsteht bei Temperaturen von bis zu 65 Grad Dauerhumus. Der Kompost wird gewendet, damit SauerstoT hineinkommt und keine Fäulnis entsteht. Der Boden selbst wird möglichst wenig gestört: Statt umzugraben, lockert David ihn mit Grabegabel und Hacke, bringt Kompost nur oberflächlich aus und hält die Beete mit Mulch bedeckt.

Auch bei Pflanzenschutz und Düngung setzt der Hof nicht auf einzelne Mittel, sondern auf das System als Ganzes. Mischkulturen, gute Pflanzennachbarschaften, Wildhecken, Totholz, Wasserstellen und ein eigener Teich schaTen unterschiedliche Lebensräume. Seltene Vogelarten wie Grünspechte und Bienenfresser gehören zu den regelmäßigen Gästen, im Sommer summt es zwischen Kräutern, Obstbäumen und Gemüsebeeten. „Wenn es dem Boden gut geht, geht es den Pflanzen gut – und dann auch den Menschen“, fasst David die Haltung der Familie zusammen.

David selbst ist ausgebildeter Baumwart. Mehr als 100 Obstbäume und zahlreiche Beerensträucher wachsen rund um den Hof. In der Himbeersaison kommen an guten Tagen 10 bis 15 Kilogramm zusammen. Alte Apfel- und Birnensorten wie Gelbmostler, Zitronengelbe Mostbirne, Geflammter Kardinal oder Siebenschläfer werden erhalten und junge Bäume selbst veredelt. „Ich will möglichst keine Sorte zweimal pflanzen,“ sagt David.

Seine Mutter Sonja bringt einen weiteren Schwerpunkt ein. Als ausgebildete Kräuterpädagogin beschäftigt sie sich mit Anbau und Verarbeitung von Kräutern. Johanniskraut wird zu Rotöl, Artemisia zu Salben und Tinkturen, dazu kommen Tees, Kräutersalze und Pestos.

Ein wichtiger Betriebszweig ist die Jungpflanzenanzucht mit biologischem Saatgut, hofeigener Erde und eigenem Kompost. Gemüse, Kräuter, Obst und Beeren dienen zunächst der Selbstversorgung; was darüber hinaus wächst, wird frisch verkauft oder direkt am Hof weiterverarbeitet. Aus der Ernte entstehen unter anderem Marmeladen, Säfte, Eingelegtes, Letscho und Kräutersalze. Auch bei Zutaten, die nicht vom eigenen Hof kommen, achtet die Familie auf Bio-Qualität, etwa beim Rohrohrzucker für die Marmeladen.

Vermarktet wird direkt und möglichst nah am Hof: im eigenen Hofladen, auf dem Wochenmarkt in Egg und beim Markt der Erde Sibratsgfäll. Im Hofladen finden sich neben den eigenen Produkten auch ausgewählte Bio-Lebensmittel, die es für eine kleine Greißlerei im Ort braucht. Damit ist er zugleich Verkaufsstelle und kleines Nahversorgungsangebot für Hittisau.

Ein besonderes Projekt von Leo war vor einigen Jahren der „Vorarlberger Knoblauch“ – mit dem augenzwinkernden Anspruch: „Wir vertreiben die Chinesen vom Vorarlberger Markt.“ Gemeint war die importierte Ware, denn ein großer Teil des in Österreich verkauften Knoblauchs stammt aus dem Ausland. Leo zeigte, dass sich Knoblauch auch in Hittisau erfolgreich anbauen lässt. Die Nachfrage war zeitweise so groß, dass die Familie in Spitzenjahren bis zu 500 Kilogramm erntete. Heute gibt es wieder mehrere Produzent:innen für regionalen Knoblauch. An Leos Überzeugung hat sich dennoch nichts geändert: Was in der Region wachsen kann, soll nach Möglichkeit auch hier erzeugt und verkauft werden.

Dass dieser Gedanke über den eigenen Hof hinausgeht, zeigt die Vorarlberger Saatgutbibliothek im Umfeld des Garten Eden Projekts, einem weiteren Projekt von Leo. Rund 30 bis 40 Menschen übernehmen dort Verantwortung für alte, samenfeste Sorten, vermehren sie in ihren Gärten und geben Saatgut wieder zurück. So bleibt Vielfalt nicht nur in einer Sammlung erhalten, sondern wird tatsächlich angebaut und weitergegeben.

Leos Permakulturhof ist deshalb Produktionsort, Lernort und Versuchsfeld zugleich. Die Familie gibt ihr Wissen in Kursen weiter und arbeitet mit Kindern und Jugendlichen. Ihr Ziel klingt dabei weniger nach großem Programm als nach praktischer Konsequenz: „Lebensmittel ohne Kilometer – im Dorf fürs Dorf.“ Der Permakulturhof will nicht alles lösen. Aber möglichst viel von dem, was vor Ort gebraucht wird, auch wieder vor Ort entstehen lassen.

Auf einen Blick

Produzent:in

Leos Permakulturhof

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