Naarn

MachlandHof

Am Machlandhof in Naarn, im Herzen des oberösterreichischen Machlands, führt Angelika Bräuer gemeinsam mit ihrem Partner Johannes Peterseil seit 2016 den elterlichen Betrieb in eine neue Richtung. Wo früher Milchkühe und Mastschweine standen, wachsen heute Linsen, Feingemüse und Obst – in Bio-Qualität und beeindruckender Vielfalt.

„Ich möchte, dass sich möglichst viele Menschen Lebensmittel aus dieser Art der Landwirtschaft leisten können.“

Angelika Bräuer

50 bis 70 verschiedene Kulturen wachsen übers Jahr auf den Feldern und in den Gemüsegärten des Machlandhofs im oberösterreichischen Naarn: von Tomatenraritäten in allen Formen und Farben über acht bis zehn Kürbissorten bis hin zu Wintersalaten. Sogar Kurkuma und Ingwer gedeihen hier. Ergänzt wird diese Vielfalt durch Linsenfelder – in Österreich nach wie vor eine Rarität – sowie Obstgärten mit Marillen, Birnen, Zwetschken und Pfirsichen. Und das alles in Bio-Qualität.

Angelika Bräuer hat den Betrieb 2016 von ihren Eltern übernommen, die zuvor eine für das Machland typische Mischwirtschaft mit Milchkühen, Mastschweinen und Ackerbau führten. Vor der Hofübernahme arbeitete sie in der Erwachsenenbildung beim LFI der Landwirtschaftskammer, holte sich ihr Gemüse schon damals direkt bei Bio-Bäuerinnen und -Bauern und wusste: Wenn sie den Hof übernimmt, dann nur ohne Tiere und konsequent biologisch.

Heute basiert der Machlandhof auf drei Standbeinen: Gemüse, Obst und Ackerbau. Der Gemüsegarten ist kleinstrukturiert – gerade einmal ein halber bis ein Hektar –, aber durch die Vielfalt hochintensiv. Im Sommer steht das Feingemüse im Mittelpunkt: Tomaten in unzähligen Sorten und Farben, Paprika, Gurken, Melonen, Physalis, Fisolen und Zuckererbsen. Rund ums Jahr ergänzt eine breite Palette an Kulturen dieses Bild – von Kraut und Kohl wie Kohlrabi, Brokkoli, Karfiol und Grünkohl über Salate, Asia-Gemüse, Portulak, Kresse, Rucola und Spinat bis hin zu Wurzelgemüse wie Karotten, Gelbe Rüben, Pastinaken, Sellerie, Zwiebeln, Knoblauch, Lauch und Rüben. Auch Fenchel, Radieschen, Kartoffeln, Süßkartoffeln, Mangold, Mais, Schwarzwurzel und Topinambur gehören zur Vielfalt am Hof.

Technik setzt Angelika sparsam ein, wo sie hilfreich ist, ansonsten dominiert Handarbeit – besonders beim Feingemüse, bei dem sie Unterstützung von ihren Eltern und ihrer Tante erhält. Für die beiden Bauernmärkte in Aisthofen und Gallneukirchen wird ausschließlich zum perfekten Reifezeitpunkt und immer frisch geerntet, meist am Vortag. „Das macht’s zwar stressiger, aber die Kund:innen schätzen genau diese Frische“, sagt Angelika. Die Auswahl ihrer Sorten folgt dabei einem klaren Prinzip: „Wir selektieren nur nach Geschmack – nicht nach Aussehen oder Lagerfähigkeit.“

Die Böden im Machland sind seicht und kiesig, Niederschlag und Wasser knapp. Kohl und Kraut gedeihen hier schwieriger, dafür aber Feingemüse und Kürbisse besonders gut. Das hat auch Konsequenzen für den Ackerbau: 2019 probierte Angelika erstmals Linsen aus – eine Kultur, die mit Trockenheit erstaunlich gut zurechtkommt. Das erste Saatgut erhielt sie von Karl Ringl, einem Bio-Pionier aus dem Waldviertel, der sie mit seiner Begeisterung ansteckte und mit wertvollen Tipps unterstützte. Heute wachsen Tellerlinsen, Berglinsen, Belugalinsen und rote Linsen in Bio-Qualität am Hof: Tellerlinsen, eine etwas größere, leicht nussige Sorte, aromatische Berglinsen, die edel-feinen Belugalinsen – oft als „Kaviarlinse“ bezeichnet – und rote Linsen, die Angelika schälen lässt, sodass man sie ohne Einweichen kochen kann.

„Die große Herausforderung ist der Absatz, weil viele gar nicht wissen, dass es Linsen aus Österreich gibt – noch dazu in Bio-Qualität“, sagt Angelika. Dabei wären sie eine ideale Kultur für die Region – und für die Ernährung: nachhaltig im Anbau durch geringen Wasserbedarf, eiweiß-, ballaststoff- und nährstoffreich sowie vielseitig in der Küche. Einige Gastronomiebetriebe – vom Wirtshaus „Seebauer“ am Gleinkersee über das Wirtshaus Gretzl in Linz bis zum Köglerhof in Großamberg – haben die Qualität längst erkannt und Angelikas Linsen regelmäßig in ihren Gerichten. Neben den Linsen kultiviert sie inzwischen auch Sonnenblumen, Blaumohn und Leinsamen – Pflanzen, die nicht nur den Speiseplan bereichern, sondern auch die Felder mit ihren Blüten verschönern.

Für das Obst ist Angelikas Partner Johannes Peterseil zuständig. Er ist Spezialist für Sortenwahl, Baumschnitt und nachhaltiges Obstbaummanagement. Neben alten Streuobstwiesen mit Mostbirnbäumen rund um den Hof pflegt er Plantagen mit Marillen, Birnen, Zwetschken und Pfirsichen. Besonders die Marille hat es ihm angetan.

Über allem steht der Boden. Angelika verzichtet auf Mist und Wirtschaftsdünger und setzt stattdessen auf Begrünungen, die sie selbst mischt – abgestimmt auf die jeweilige Fläche. Buchweizen ist eine typische Zwischenfrucht, die sie nach der Blüte einfach einwälzt. Wichtig ist ihr, dass der Boden nie unbedeckt, sondern möglichst immer grün ist. Nützlinge finden in Blühstreifen wertvollen Lebensraum, manchmal setzt Angelika sogar gesammelte Marienkäfer gezielt wieder aus. „Guter Geschmack kommt aus einem guten Boden – und dafür braucht es Vielfalt und Lebendigkeit“, erklärt sie.

Die Vermarktung erfolgt über drei Kanäle: die beiden Bauernmärkte in Aisthofen und Gallneukirchen, die Plattform Speiskastl mit österreichweitem Versand und den Hof selbst, wo die Einfahrt als Abholstelle dient. Trotz wachsender Nachfrage will Angelika den Betrieb bewusst nicht vergrößern: „Ich möchte nicht mehr größer werden, nur noch verbessern und verfeinern. Vor allem aber möchte ich, dass sich möglichst viele Menschen Lebensmittel aus dieser Art der Landwirtschaft leisten können. Es kommt darauf an, die Kund:innen zu finden, die zu einem passen und die diese Arbeit wertschätzen.“

Auf einen Blick

Produzent:in

MachlandHof

bio-zertifiziert

Angelika Bräuer
4331 Naarn
Holzleiten 15

weitere Infos: ab Hof nach Vorbestellung und in div. Hofläden; Bauernmärkte: Aisthofen wöchentlich Samstag Vormittag, Gallneukirchen alle zwei Wochen Samstag Vormittag

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