Kilb

Marktgärtnerei NaturVielfaltLeben

In Kilb im niederösterreichischen Mostviertel zeigen Karin Ressl und Panja Grünauer, wie vielfältig kleinstrukturierte Landwirtschaft sein kann. In ihrem Verein „NaturVielfaltLeben“ entstehen handwerklich gebackenes Brot, seltene und alte Gemüsesorten und fermentierte Spezialitäten – alles in echter Handarbeit, in Kreisläufen gedacht und mit einem kompromisslosen Blick auf Bodenfruchtbarkeit und Geschmack.

„Es geht darum, Menschen wieder mit echten Lebensmitteln zu verbinden – mit Frische, Vielfalt und Geschmack.“

Karin Ressl und Panja Grünauer

Der Marktgarten „NaturVielfaltLeben“ liegt in Kilb im Mostviertel und wird von Karin Ressl und Panja Grünauer geführt – Cousinen und, wie sie selbst sagen, „Schwestern im Geiste“. Was hier entsteht, ist eine bewusst klein gehaltene, aber konsequent gedachte Form von Landwirtschaft: handwerklich, vielfältig, bodenverbunden und geschmacklich anspruchsvoll.

Die Geschichte beginnt im Haus von Karins Großmutter. Karin hatte bereits viele Jahre Gemüse für drei Familien angebaut – „für drei Familien“, wie Panja sagt – aus Freude an Sortenvielfalt, Bodenpflege und Selbstversorgung. Panja wiederum brachte eine besondere Sensibilität für Geschmack, Kochen und natürliche Ernährung mit. Als sich die beiden entschieden, gemeinsam weiterzugehen, entstand der Verein „NaturVielfaltLeben“.

„Das, was ich selbst lebe, möchte ich gerne weitergeben“, sagt Karin. Und Panja ergänzt: „Es geht darum, Menschen wieder mit echten Lebensmitteln zu verbinden – mit Frische, Vielfalt und Geschmack.“

Auf einer kleinen Fläche werden heute rund 58 verschiedene Gemüsekulturen angebaut. Viele davon in mehreren Sorten – nicht aus Spielerei, sondern um Geschmacksnuancen sichtbar zu machen. Rotes Spitzkraut oder die weiße Spitzkrautsorte „Filderkraut“, empfindlicher Karfiol, robuste Wurzelgemüse oder seltenes Blattgemüse: „Karin baut lauter Dinge an, die schwer oder selten sind“, sagt Panja. „Und das ist genau das Spannende.“

Gearbeitet wird mit Mulchwirtschaft, minimaler Bodenbearbeitung und oberflächlich eingearbeitetem Kompost, ergänzt durch Jauchen aus Beinwell und Brennnessel. Demeter-Präparate kommen ebenfalls zum Einsatz. Der Boden soll lebendig bleiben. „Ich habe lernen dürfen, dass der Bodenaufbau entscheidend ist“, sagt Karin. Dokumentiert wird alles – Sorten, Erfolge, Fehlschläge, Erkenntnisse. Ab 2026 ist die Marktgärtnerei zertifiziert bio.

Die Zusammenarbeit mit anderen Slow Food Produzent:innen wie Martin Allram und Tristan Toe prägt die Entwicklung des Gartens. Von ihnen hat Karin viel gelernt.

Ein zweites Standbein ist das Brot. Karin ist ausgebildete Hafnerin und baut ihre Backöfen selbst. Gebacken wird ausschließlich mit Dinkel, Emmer, Einkorn und Waldstaudekorn von Martin Allram. „Das ist einfach das beste Getreide“, sagt sie.

Die Brote entstehen mit Sauerteig, langer Teigführung und feinstem Vollkornmehl. Die Öfen, die Karin selbst setzt, prägen den Geschmack und den Charakter des Brots. Was früher nur für den Eigenbedarf gebacken wurde, ist heute ein zentrales Element des Projekts.

Panja verantwortet den Küchenbereich – Einkochen, Fermentation und die Verarbeitung, was es in der Saison im Überfluss gibt. Sie ist ausgebildete Ernährungspädagogin und vermittelt ihr Wissen in Workshops. „Viele grundlegende Dinge sind in Vergessenheit geraten“, sagt sie. „Wenn mich die Leute fragen, was sie mit einem bestimmten Gemüse machen können, ploppen sofort hundert Ideen auf.“

Ihre Leitlinie ist klar: maximale Frische, minimale Würzung, intensiver Eigengeschmack. Gemüse wird am selben Tag geerntet und verarbeitet – das schmeckt man. Kund:innen lernen, wieder genauer hinzuschmecken. „Der Körper merkt den Unterschied“, sagt sie.

Der gesamte Betrieb ist auf Biodiversität ausgerichtet: Ein 4500 Quadratmeter großes Wildblumenfeld mit 60 Arten wurde von Hand ausgesät. Im Folientunnel wachsen Blühstreifen, damit Bienen auch dort bestäuben. Aus der wesensgemäßen Bienenhaltung erntet Karin auch Honig – wichtiger ist jedoch die Bestäubung. Alte Obstsorten wie Berner Rose und Maschanzker hat Karin rund um das Gelände gepflanzt. Hühner sorgen für Dünger und natürliche Schädlingsregulierung. Alles ist darauf ausgelegt, Kreisläufe zu schließen und Lebensräume zu schaffen.

Abholung ist jeden Freitag – ausschließlich auf Vorbestellung. Brot, Gemüse und Verarbeitetes werden nur in der Menge produziert, die tatsächlich bestellt wurde. Kund:innen bringen ihre eigenen Körbe und Sackerl mit. „Wieder in die Natürlichkeit“, so das Motto. Kein Überschuss, keine Verschwendung.

Die Menschen fragen oft, was man mit bestimmten Gemüsen macht. Für Panja ist das ein idealer Moment, Geschmack neu erfahrbar zu machen. „Viele haben vergessen, wie frisch und intensiv etwas schmecken kann, wenn es am selben Tag geerntet wurde“, sagt sie.

Auf einen Blick

Produzent:in

Marktgärtnerei NaturVielfaltLeben

bio-zertifiziert

Karin Ressl & Panja Grünauer
3233 Kilb
Niederhofen 12

Öffnungszeiten: freitags von 16:30 bis 18:00

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