Weinzierl am Walde

Milchkandl - Unsere Gute Milch eG.

In Nöhagen im südlichen Waldviertel zeigt ein kleines Projekt, wie viel Veränderung möglich ist, wenn eine Region nicht aufgibt. Wo vor fünf Jahrzehnten rund fünfzig Milchbäuerinnen und -bauern arbeiteten, sind es heute weniger als fünf. Genau hier setzt das Milchkandl an: eine 2021 gegründete kleinbäuerliche Erwerbsgenossenschaft, die bewusst ein Zeichen gegen das Bauernsterben setzt – durch regionale Verarbeitung, faire Strukturen und einen kompromisslosen Fokus auf biologische Qualität.

„Wenn wir wollen, dass sich etwas ändert, müssen wir es selbst anpacken.“ 

Andreas Egger

Initiiert wurde das Milchkandl von Andreas Egger, einem Unternehmer, der sich früh mit Genossenschaftsmodellen beschäftigte und überzeugt ist, dass Veränderung nicht von selbst kommt. „Wenn wir wollen, dass sich etwas ändert, müssen wir es selbst anpacken“, sagt er. Gemeinsam mit den Landwirt:innen Doris und Josef Trinkl, Franz Starkl sowie Alexandra und Franz Stöger gründete er die Genossenschaft – von Anfang an mit dem klaren Anspruch: Es geht nur bio.

Produziert wird im alten „Seidlhaus“ statt, einem ehemaligen Bauernhof, dessen bestehende Räumlichkeiten nachhaltig adaptiert wurden. Strom liefert eine Photovoltaikanlage, der Transport erfolgt so weit wie möglich elektrisch. 2022 wurde der Hofladen eröffnet, der neben den eigenen Milchprodukten auch regionale Lebensmittel anbietet – um das Einkaufen im Ort wieder möglich zu machen.

Die Milch der beteiligten Biohöfe wird täglich angeliefert und verarbeitet – geführt von Produktionsleiterin Stefanie und einem Team aus Frauen aus der Region. Für die Genossenschaft ist wichtig, die Milch so wenig wie möglich zu verändert. Nach der Anlieferung wird sie warm pasteurisiert – 30 Minuten bei 65°C – nicht standardisiert und nicht homogenisiert: Ihr natürlicher Fettgehalt bleibt erhalten; dass sich Fett oben absetzt, ist gewollt und für das Milchkandl ein Zeichen echter Qualität.

Aus dieser Milch entsteht ein breites Sortiment – vom Grundprodukt bis zu Feinkostvarianten. Neben Rohmilch, pasteurisierter Milch, Sauermilch, Vanillemilch und Kakaomilch gehören auch Naturjoghurt, griechisches Joghurt und saisonale Joghurtvarianten dazu, die mit regionalen Früchten verfeinert werden. Die Marillen etwa stammen aus einem jahrzehntealten Marillengarten in Mautern und werden direkt im Milchkandl eingekocht; die Dirndl liefert Produzentin Anna Paradeiser; Hollerbeeren kommen vom eigenen Gelände. Um unabhängiger zu werden, wurde auf den eigenen Flächen ein Beerenfeld angelegt. Früchte werden tiefgekühlt und erst bei Bedarf eingekocht, um die saisonale Ernte über das Jahr hinweg verfügbar zu machen. So bleibt auch das Sortiment abwechslungsreich. Weil der Zuckeranteil bewusst niedrig gehalten wird, steht immer die Frucht – und die Milch – im Mittelpunkt.

Außerdem entstehen verschiedene Frischkäse- und Aufstrichvarianten: der schnittfeste Frischkäse „Weinzierler Taler“, pur oder mit Pfeffer und Kräutern; der „Waldviertler Kugerlkas“, ein Cottage Cheese, natur oder mit Schnittlauch; Joghurtkäse-Bällchen, die von Hand geformt, über Nacht abgetropft und anschließend in Sonnenblumenöl eingelegt werden; dazu Liptauer, Kräuterkäse und ein Kürbiskern-Kren-Aufstrich.

Auch die Molke wird vollständig genutzt. Süßmolke und Sauermolke werden als eigenständige Produkte angeboten; ein Teil der Sauermolke aus der Topfenerzeugung geht an einen Bio-Bauern der Region als Schweinefutter. „Damit alles Sinn ergibt und wir nichts wegwerfen müssen“, sagt Stefanie.
 

Die Produktion ist offen gestaltet. Durch große Fenster können Besucher:innen jederzeit einen Blick in die Verarbeitung werfen – ein bewusstes Zeichen für Transparenz.

Auch Schulklassen kommen regelmäßig. Kinder schlagen Schlagobers in Gläsern zu Butter, verstehen, wie Lebensmittel entstehen, und lernen, wie viel Arbeit in einem Produkt steckt.

Die Zusammenarbeit erfolgt bewusst regional und in Kreisläufen. Die Bäckerei Hörmer in Weißenkirchen in der Wachau verarbeitet die Topfenmolke zu einem „Milchkandl-Brot“, Zutaten wie Zwiebeln für den Liptauer kommen von der Nachbarin Doris, Senf, Tomatenmark oder Kapern werden im Supermarkt im Ort gekauft – und Milchkandl-Produkte dort gelistet. Eine regionale Kette, in der jede:r profitiert.

Das Milchkandl ist auch sozial verankert: Als Arbeitgeber im Ort schafft der Betrieb Arbeitsplätze, die sich gut mit Familienleben vereinbaren lassen. Die meisten Mitarbeiterinnen, die Betreuungspflichten haben, sind zu Mittag fertig und können so Familie und Beruf vereinbaren. Einmal im Monat trifft sich das Team zur gemeinsamen Verkostung: Es wird ausprobiert, verworfen, neu gedacht, beispielsweise Ideen wie Eiskaffee aus eigener Produktion – so lange getestet, bis die Qualität stimmt.

Das Milchkandl ist ein genossenschaftlicher Versuch, bäuerliche Strukturen im Waldviertel zu erhalten und ihnen eine Perspektive zu geben – durch regionale Kreisläufe, faire Preise und transparente Verarbeitung. „Wenn wir es hinbekommen“, sagt Andreas Egger, „dann schaffen wir etwas, das über Generationen hinweg in der Region etwas verändert.“

Auf einen Blick

Manufaktur

Milchkandl - Unsere Gute Milch eG.

bio-zertifiziert

Andreas Egger
3521 Weinzierl am Walde
Nöhagen 5

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