Pachfurth

Zwickel Kaffee

Gerhard und Iris Zwickelstorfer haben sich auf eine echte Besonderheit spezialisiert: Arabica-Kaffee, der nicht von Plantagen stammt, sondern in den ursprünglichen Wäldern der Region Kaffa wild gesammelt wird – und anschließend in ihrer eigenen Rösterei im niederösterreichischen Pachfurth veredelt wird. Das Ergebnis ist ein Kaffee, der nicht nur durch seine Herkunft und die Wildsammlung unverwechselbar schmeckt, sondern zugleich zum Erhalt der letzten Urwälder Äthiopiens und zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Kaffeesammler:innen beiträgt.

„Wir zahlen ein Mehrfaches des Weltmarktpreises. So können sich die Menschen in Kaffa selbst das leisten, was sie brauchen.“

Gerhard & Iris Zwickelstorfer

Die Liebesgeschichte von Gerhard und Iris Zwickelstorfer zu Kaffee und Äthiopien begann eigentlich mit einer ganz anderen: jener zu ihrer Adoptivtochter Lisa. Sie wurde in Äthiopien geboren – ganz in der Nähe des Ursprungs des Arabica-Kaffees. Bei ihren Besuchen in Kaffa entdeckten Gerhard und Iris nicht nur ihre Begeisterung für die Region und ihre Menschen, sondern auch für den besonderen Kaffee. Bald begannen sie, wildgesammelten Rohkaffee von dort zu importieren: zunächst ließen sie ihn bei einem befreundeten Röster verarbeiten, später verwandelten sie den ehemaligen Rinderstall ihres Hofes in Pachfurth in eine eigene Rösterei.

Seit jeher beziehen Gerhard und Iris ihren Rohkaffee von der Kaffa Farmers’ Union, einem Zusammenschluss von 26 Genossenschaften. Dank besonderer Landnutzungsrechte in Äthiopien können Waldstücke klar einzelnen Familien zugeordnet werden – eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass der Kaffee trotz Wildsammlung bio-zertifiziert ist. Eine weltweite Seltenheit. Der direkte Bezug über die Kooperative ermöglicht den Sammler:innen zudem eine deutlich bessere Bezahlung, vor allem für Frauen, die häufig die Ernte übernehmen. „Wir zahlen ein Mehrfaches des Weltmarktpreises“, erklärt Iris. „So können sich die Menschen in Kaffa selbst das leisten, was sie brauchen – etwa Sessel für die Schule ihrer Kinder.

Die Wildsammlung prägt auch den Charakter des Kaffees. Zwar handelt es sich um die Art Arabica, doch innerhalb dieser existiert eine erstaunliche Vielfalt – rund 5.000 Varianten haben Forscher:innen bislang in den Wäldern Äthiopiens nachgewiesen. Ein „gemischter Satz“ im besten Sinn. Jede Ernte ist einzigartig. Maschinen sind in den dicht bewachsenen Wäldern auf rund 1.700 Metern Seehöhe nicht einsetzbar, geerntet wird ausschließlich von Hand. Dadurch gelangen nur wirklich reife, rote Kirschen in mehreren Durchgängen in die Erntekörbe. Mit Eseln werden sie zur Kooperative gebracht, wo sie traditionell auf erhöhten Strohbettungen in der Sonne trocknen. Erst danach wird das Fruchtfleisch entfernt, und der Kaffee darf weiter reifen, bevor er als grüner Rohkaffee in Jutesäcken über den Hafen von Djibouti nach Europa verschifft wird. Vom Hamburger Hafen aus geht es schließlich nach Pachfurth, wo Gerhard ihn nach der Art der Wiener Röstung veredelt.

Pro Charge fasst der Trommelröster 15 Kilogramm, etwa 15 Minuten dauert der Röstvorgang. Herauskommt ein runder, aromatischer Kaffee, der je nach Ernte mal mehr nach Schokolade, mal mehr nach Nuss schmeckt – so, wie es die Natur der Wildsammlung vorgibt. „Für mich muss Kaffee ausgewogen sein und nach Röstaromen schmecken“, sagt Gerhard. Danach hilft die ganze Familie zusammen: Iris, Gerhard, Lisa, Großeltern und Schwager Thomas – ein echtes Familienunternehmen. Gerhard empfiehlt, den Kaffee frühestens eine Woche nach dem Rösten zu genießen, wenn er „ausgegast“ ist. Am besten schmeckt er innerhalb von sechs bis neun Monaten; danach verliert er zwar nichts von seiner Bekömmlichkeit, aber deutlich an Aroma.

Bio ist für die Familie Zwickelstorfer nicht nur ein Siegel, sondern eine Lebenseinstellung – wiederum geprägt von der Liebe zu ihrer Tochter. 1998 übernahmen sie den Hof von Gerhards Eltern. Anfangs noch konventionell geführt, wurde Gerhard bald klar: „Das ist nicht das, was ich im Leben machen will.“ Seit 2014 ist die Landwirtschaft vollständig bio-zertifiziert. Auf den Feldern wachsen heute Soja, Mais und Getreide, die in den Handel gehen. Direkt ab Hof vermarkten Gerhard und Iris neben dem Kaffee auch Kichererbsen. „Die Kichererbse ist eine Diva“, sagt Gerhard und lacht. Doch im pannonischen Klima mit viel Wärme und wenig Wasser gedeiht sie gut – und ist in Pachfurth längst heimisch geworden. Um Kund:innen die Verwendung zu erleichtern, bieten die beiden die Hülsenfrucht nicht nur getrocknet, sondern auch küchenfertig vorgegart in der Dose an.

So vielfältig die Landwirtschaft geblieben ist, im Mittelpunkt steht für Gerhard und Iris dennoch der Kaffee. Was sie daran bis heute am meisten begeistert, ist die Gastfreundschaft, die er verkörpert. Ob bei der traditionellen Kaffeezeremonie in Äthiopien, bei der die Bohnen direkt vor der Zubereitung frisch in einer Pfanne geröstet werden, oder am Markt der Erde in Parndorf, wo die Familie jeden Monat Kaffee für die Besucher:innen zubereiten – bei jeder Tasse verbinden sich der gute Geschmack, die Liebe zur Region Kaffa in Äthiopien und die Fairness gegenüber den Menschen, die den Kaffee dort ernten.

Auf einen Blick

Zwickel Kaffee

Gerhard & Iris Zwickelstorfer
2471 Pachfurth
Dorfstraße 44

weitere Infos: regelmäßig am Markt der Erde in Parndorf

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