Bernhard Schwarz führt die Julius Seitner Hütte am Eisenstein bei Türnitz in Niederösterreich. Die Schutzhütte verbindet klassisches Hüttenleben mit einer Küche, die auf biologische Grundprodukte, handwerkliche Zubereitung und möglichst regionale Lieferketten setzt.
„Die schönste Anerkennung meiner Arbeit ist ein zufriedenes Lächeln zurückzubekommen.“
Bernhard Schwarz
Auf der Julius Seitner Hütte in Türnitz prägt Bernhard Schwarz eine Arbeitsweise, die aus persönlicher Überzeugung entstanden ist. Viele Jahre arbeitete er als Servicetechniker für chemische Messgeräte und half parallel an Wochenenden im Karl-Lechner-Haus am Stuhleck aus. Dort entdeckte er seine Freude am Hüttenleben und daran, Gäste zu bekochen. Als sein Sohn Balduin seine Ausbildung zum Koch abgeschlossen hatte und „etwas Eigenes“ aufbauen wollte, entstand die Idee, gemeinsam eine Hütte zu übernehmen. Im September 2022 übernahmen sie schließlich das generalsanierte Julius Seitner Haus. Eineinhalb Jahre arbeiteten Vater und Sohn gemeinsam, inzwischen führt Bernhard die Hütte mit Unterstützung von Ganga aus Nepal, einigen geringfügig angestellten Mitarbeiter:innen und vielen freiwilligen Helfer:innen weiter. „Anders könnte ich hier nicht überleben – die Hütte trägt es sonst nicht.“
Die Küche orientiert sich bewusst an hochwertigen Grundzutaten. „Wir kochen mit Leidenschaft und verwenden dafür hauptsächlich Bio-Produkte“, sagt Bernhard. Viele Lebensmittel stammen von Höfen und Betrieben aus der Umgebung: Obst, Schnäpse und Säfte etwa vom Kneschlberg in Türnitz, Sirupe von Anna Bugl und Margit Krickl sowie Hochlandrind und Schweinefleisch vom Grießhof in St. Ägyd. Milchprodukte – darunter auch das auf der Hütte beliebte Joghurt – kommen von der Bio-Hofmolkerei Kernhof Milch, die Eier von „Gschoadis Oa“, das Brot aus dem Gölsentaler Bauernladen. Die Weine stammen unter anderem aus dem Traisental von Viktor Fischer und Rudi Hofmann sowie vom Bauer-Pöltl im Mittelburgenland. Guter Kaffee ist Bernhard ebenfalls wichtig: Die Bohnen bezieht er von der St. Pöltner Rösterei Kaffeelix und bereitet sie klassisch in der Bialetti zu. „Wir knüpfen laufend Kontakte zu Lieferant:innen aus der Gegend“, sagt Bernhard.
Noch bevor die Hütte eröffnete, machten sich Bernhard und sein Sohn bewusst auf die Suche nach solchen Produzent:innen. „Wir haben uns ins Auto gesetzt und geschaut, wer in der Umgebung gute Lebensmittel macht.“ Die größte Herausforderung sei bis heute die Logistik: Produkte müssen zunächst zu Tal organisiert und anschließend auf die Hütte gebracht werden. Dabei helfen auch langjährige Stammgäste. Elfi und Hans – beide über 85 Jahre alt – übernehmen bei ihren regelmäßigen Besuchen gerne kleinere Transporte im Rucksack und bringen etwa das beliebte Bauernbrot vom Gölsentaler Bauernladen mit.
Bernhard versteht die Julius Seitner Hütte bewusst als „Genusshütte“. Das Niveau habe er sich selbst auferlegt, sagt er. Auf die Frage nach der Motivation antwortet er knapp: „Bio und die beste Qualität? Das macht man einfach.“
Die Karte ist bewusst klein gehalten und wechselt regelmäßig. „Uns ist es wichtig, frisch und handwerklich gut zu kochen“, sagt Bernhard. Mindestens ein vegetarisches Gericht gehört immer dazu; Fleischgerichte finden sich ebenfalls auf der Karte, stehen jedoch nie im Mittelpunkt. Gleichzeitig spiegeln sich persönliche Einflüsse in der Küche wider: Bernhard war mit einer Südtirolerin verheiratet, daher tauchen Gerichte wie Knödel oder Risotto immer wieder auf. Ganga, der aus Nepal stammt und Bernhard in der Küche unterstützt, bringt ebenfalls seine eigene kulinarische Handschrift ein und kümmert sich häufig um das „Hüttenschöpfgericht“ – etwa Dal oder Curry. Und auch auf einer Hütte orientiere sich die Küche an den Jahreszeiten. „Im Winter gibt es halt mehr Kraut und Rüben.“
Viele Gäste kommen genau wegen dieser Haltung regelmäßig wieder. Rund siebzig Prozent der Besucher:innen sind Stammgäste, die den Weg auf die Hütte wegen der Küche und der konsequenten Produktwahl suchen.
An Sonn- und Feiertagen beginnt der Tag auf der Hütte mit einem ausgedehnten Genussfrühstück. Der Morgen startet mit warmem Porridge, danach folgen Brot, Käse, Aufschnitt, Aufstriche sowie Eiergerichte aus der Küche, dazu Obst, Säfte und Kaffee. Unter der Woche gibt es ein einfacheres Hüttenfrühstück. Warm gekocht wird mittags zwischen 11 und 14:30 Uhr, am Nachmittag stehen kleinere Jausengerichte bereit, das Abendessen wird am frühen Abend serviert.
Zur Arbeit auf der Hütte gehört für Bernhard auch eine große Portion Improvisation. Als Pächter ist er für Technik, Logistik und Küche gleichermaßen verantwortlich. „Als Hüttenwirt musst du immer dort sein, wo du gerade gebraucht wirst.“
Und natürlich spielt auch die Zeit eine Rolle: Frisch zu kochen braucht Zeit, und genau das gehört für Bernhard dazu. Dass Gäste manchmal etwas länger warten müssen, sieht er gelassen. Wer in seiner Hütte einkehrt, weiß, dass hier alles frisch zubereitet wird – und das braucht seine Zeit.