Blog, 25.05.2026

Carlo Petrini in den Erinnerungen der österreichischen Slow Food Gemeinschaft

Mit Carlo Petrini verliert die Slow Food Bewegung ihren Gründer und eine der prägendsten Stimmen für ein gutes, sauberes und faires Ernährungssystem. In persönlichen Erinnerungen teilen Wegbegleiter aus der österreichischen Slow Food Gemeinschaft Begegnungen, Gedanken und Momente, die sie mit Carlo Petrini verbinden und zeigen, wie tief sein Wirken bis heute nachhallt.

In diesen Tagen erreichen uns viele persönliche Erinnerungen aus der österreichischen Slow Food Gemeinschaft. Begegnungen bei der Terra Madre, gemeinsame Gespräche, inspirierende Vorträge oder lange Abende an gemeinsamen Tischen – Carlo Petrini hat das Leben vieler Menschen innerhalb der Bewegung geprägt.

Für zahlreiche Mitglieder von Slow Food Österreich war er nicht nur der Gründer einer internationalen Bewegung, sondern auch ein Mensch, der inspirierte, begeisterte und Perspektiven veränderte. Seine Worte, seine Haltung und seine Vision eines guten, sauberen und fairen Ernährungssystems wirken bis heute nach.

Einige Wegbegleiter aus der österreichischen Slow Food Community teilen ihre persönlichen Erinnerungen an Carlo Petrini:

„Carlo Petrini war Visionär und Realist. Ein Philosoph und ein Aktivist, ein Charismatiker, der die Welt in Richtung verantwortungsvollen Genuss drehte und ein Zeichen gegen Gleichförmigkeit undgedankenlosen Konsum setzte. Ich durfte Carlin mehrere Male bei internationalen Slow Food Treffen begegnen. Die Konferenzen waren lang, doch langweilig waren sie nie. Wenn Petrini zu reden begann, war es still. Die Aufmerksamkeit war ihm sicher. Carlin verstand es in seinen feurigen Reden, Ernst an der Sache und Freude am Leben zu verknüpfen. Sein unermüdlicher Einsatz für die Schwächsten auf der Welt, für Bauern, Verarbeiter und Konsumenten, für die Mitwelt, bleibt mir ewig in Erinnerung. Ebenso wie sein scharfer Geist und sein kompromissloser Zugang zu gut, sauber, fair. Pointiert und souverän skizzierte er die Probleme der Welt, und lieferte zugleich Lösungsansätze, die stets das Herz und die Freude miteinschlossen. Wir können das Unrecht nur dann bekämpfen, wenn wir genussvoll bleiben und die Freude beibehalten, bleibt mir ebenso in Erinnerung wie das Lachen von Carlin oder sein Singen und Tanzen nach den Konferenzen. Petrini wird fehlen. Sein Erbe bleibt jedoch bestehen. In den Küchen dieser Welt. Auf den Märkten, in Restaurants und Wirtshäusern, überall wo gemeinsam gelacht, gekocht, getanzt wird.“

Philipp Braun
Obmann des Conviviums Slow Food Oberösterreich &
langjähriger internationaler Slow Food Beirat für Zentraleuropa

 

„Ich habe Carlo Petrini beim Tourismustag in Villach 2018 persönlich getroffen. Wir sind miteinander auf der Bühne gestanden und haben Seite an Seite über Slow Food gesprochen. Was für eine Ehre. Wenn ich an Carlo denke, denke ich immer an ein ganz simples Bild, das er bei einer Ansprache gezeichnet hat. Die Unterhose von Armani, für die wir viel Geld ausgeben, wird immer außerhalb von uns bleiben. Während der Prosciutto, den wir essen, kurz danach zu uns selbst wird. Also sollten wir viel mehr Augenmerk auf den Prosciutto legen. Das Ganze auf Italienisch. Das wird für immer in meinen Ohren klingen. Danke Carlo.“

Marianne Daberer
Obfrau der ersten Slow Food Travel-Region &
Hotelière des BIOHOTELS DER DABERER

 

„Carlo Petrini hat sich gemeinsam mit einigen Vordenker:innen aufgemacht, um etwas zu bewegen. Er wollte bewahren, was wertvoll ist – unsere Lebensmittelkultur, die Vielfalt, das Handwerk und das Wissen rund um gutes Essen. Er teilte seine Überzeugungen mit seinen Mitstreiter:innen, und diese Ideen wurden verstanden, getragen und mit Begeisterung weitergegeben. Carlo war der „Redelsführer“, das Sprachrohr der Bewegung – inspirierend, mitreißend und voller Leidenschaft. Doch ohne die vielen Menschen, die seine Vision teilten und gemeinsam weitertrugen, wäre Slow Food niemals dort, wo die Bewegung heute steht. Carlo allein hätte das nie geschafft. Es funktionierte, weil alle spürten, es muss was passieren. Slow Food war immer mehr als eine Organisation. Es waren Freundschaftstreffen, emotionaler Austausch und das gemeinsame Gefühl, dass Veränderung möglich ist. Viele von uns durften genau das erleben. Slow Food ist für mich die größte Friedensdemonstrationen der Welt, die bis heute funktioniert. Weil jeder Mensch, der die Botschaft von Carlo Petrini versteht, sich um gute, saubere und faire Lebensmittel und um ein gutes Miteinander bemüht. Im Mittelpunkt stand dabei nie das Ego, sondern immer das Gemeinsame.“

Herwig Ertl
Leiter des Conviviums Slow Food Alpe Adria & Edelgreissler

 

„Was mir unvergesslich bleiben wird, ist die Begeisterung, die Carlo Petrini in einer ganzen Halle auslösen konnte. Seine Stimme, sein Charisma, die Wärme und Kraft seiner Worte, der Klang seiner Ansprachen – all das hatte etwas zutiefst Mitreißendes. Man spürte sofort, dass hier jemand sprach, der nicht nur an Veränderung glaubte, sondern Menschen tatsächlich dafür begeistern konnte, gemeinsam etwas zu bewegen.“

Monika Liehl
Co-Vorsitzende von Slow Food Österreich &
Gründerin des ersten Earth Markets Österreichs, dem Markt der Erde Parndorf

 

„Was mich neben seiner charismatischen Ausstrahlung immer besonders fasziniert hat, war seine Gabe, komplexe Zusammenhänge einfach – und oft auch humorvoll – darzustellen. Mit besonderer Freude habe ich bei Veranstaltungen den kurzen Trailer zu Slow Food Story gezeigt, in dem er den Unterschied zwischen dem Tragen modischer Kleidung und dem Verzehr von Prosciutto erklärt: „Es ist doch absurd, dass eine Unterhose von Armani mehr kostet als eine Mahlzeit.“ Unvergleichlich war seine Fähigkeit, „die Sprache des Geistes, des Herzens und … der Hände“ miteinander zu verbinden und seine Vision eines guten, sauberen und fairen Essens weltweit mit Begeisterung zu verbreiten. Zu seinen Gesprächspartnern zählten Weinbauern aus dem Piemont, indigene Bewohner Amazoniens ebenso wie Vandana Shiva, Barack Obama oder Papst Franziskus. Seine Hoffnung auf die Möglichkeit einer besseren Gesellschaft war unerschütterlich. Ein häufig Carlo Petrini zugeschriebener Leitsatz lautet: „Ich glaube, dass derjenige, der Utopien sät, Wirklichkeit ernten wird.“ Sein bevorzugter Zugang zur Wirklichkeit blieb jedoch ein genussvolles Essen in Gemeinschaft. Denn: „Ein Essen, das nicht Ausdruck des Herzens ist – was sollte das sein?“

Wolfgang Schäffner
Vorstandsmitglied von Slow Food Österreich &
Obmann von Slow Food Pinzgau 

 

„Carlo Petrini war eine große, charismatische Persönlichkeit. Ich bin dankbar, ihn persönlich gekannt zu haben. Ciao, Carlin.“

Helmut Hundlinger
Gründungsmitglied von Slow Food Österreich &
Obmann von Slow Food Waldviertel

 

„2012 war ich zum ersten Mal bei einer Terra Madre dabei. Ich war damals Teil der österreichischen Slow Food Youth Delegation – jung, voller Fragen und völlig überwältigt von allem, was dort passierte. Von der Energie. Von den Menschen aus aller Welt. Von diesem Gefühl, dass Essen tatsächlich etwas verändern kann. Und dann war da Carlo Petrini auf der Bühne. Ich erinnere mich noch genau an seine Stimme und daran, wie er über Essen sprach – nie nur als Genuss, sondern als etwas, das mit Klima, Landwirtschaft, Kultur, Gerechtigkeit und unserer gemeinsamen Zukunft verbunden ist. Schon damals sprach er über den Klimawandel, über den Verlust fruchtbarer Böden und darüber, dass wir Ernährung ganzheitlich denken müssen. Lokal verwurzelt und gleichzeitig international solidarisch. Wie wenige andere Menschen hat Carlo Petrini meine Sicht auf die Welt geprägt. Er konnte wie kaum jemand zeigen, welche Kraft im Essen steckt – und wie eng unsere Ernährung mit den großen Herausforderungen unserer Zeit verbunden ist. Immer mit viel Klarheit, Leidenschaft und Hoffnung. Aber vor allem mit einer unglaublichen Begeisterung, die ansteckend war. Und beim Treffen des Youth Food Movements hat er einfach mit uns mitgetanzt. Genau so werde ich ihn in Erinnerung behalten.“

Daniela Wiebogen 
Geschäftsführerin von Slow Food Österreich 

 

Auch die österreichischen Medien berichten über den Tod von Carlo Petrini: 

Der Standard/ Dominik Straub: „Slow-Food-Gründer Carlo Petrini mit 76 Jahren gestorben“ | Link: https://www.derstandard.at/story/3000000321751/slow-food-gruender-carlo-petrini-mit-76-jahren-gestorben

Die Presse: „Slow Food“-Gründer Carlo Petrini ist tot“ | Link: https://www.diepresse.com/25514272/slow-food-gruender-carlo-petrini-gestorben

Falstaff: „Slow-Food-Pionier Carlo Petrini im Alter von 76 Jahren“ | Link:  verstorben https://www.falstaff.com/at/news/abschied-von-carlo-petrini-dem-grunder-von-slow-food

Joyn News: „Slow Food“-Gründer Carlo Petrini ist tot“ | Link: https://news.joyn.at/themen/joynnews/slow-food-gruender-carlo-petrini-ist-tot-127961 

Kleine Zeitung/ Georg Hoffelner: „Slow Food-Erfinder Carlo Petrini ist verstorben“ | Link: https://www.kleinezeitung.at/artikel/25525889/slow-food-erfinder-carlo-petrini-ist-verstorben

Kronen Zeitung: „Slow Food“-Gründer Carlo Petrini gestorben“  | Link: https://www.krone.at/4151269 

Kurier: „Slow Food“-Gründer Carlo Petrini ist tot“ | Link: https://kurier.at/chronik/welt/slow-food-gruender-carlo-petrini-gestorben-tot/403161996

Oberösterreichische Nachrichten: „Slow Food“-Gründer Carlo Petrini gestorben“  | Link: https://www.nachrichten.at/panorama/weltspiegel/slow-food-gruender-carlo-petrini-gestorben;art17,4173667

OE24.at: „Slow Food“-Gründer Carlo Petrini gestorben“ |  Link: https://www.oe24.at/leute/international/slow-food-gruender-carlo-petrini-gestorben/680348581 

ORF.at: „Slow-Food-Gründer Carlo Petrini gestorben“ | Link: https://orf.at/stories/3431051/

Salzburger Nachrichten:  „Slow Food“-Gründer Carlo Petrini ist tot“ | Link: https://www.sn.at/panorama/international/slow-food-gruender-carlo-petrini-ist-tot-art-652344

Vorarlberger Nachrichten: „Slow Food“-Gründer Carlo Petrini ist tot“ | Link: https://www.vol.at/slow-food-gruender-carlo-petrini-gestorben/10186856

Wineparty/ Claude Auguste / Manfred Klimek: „Fast to Slow: Zum Tode des Slow-Food-Gründers Carlo Petrini“ | Link: https://wineparty.wine/fast-to-slow-zum-tode-des-slow-food-grunders-carlo-petrini/