St. Margarethen an der Raab

Naturgarten Scheidl

Eine alte Streuobstwiese sollte eigentlich Irmgard Scheidls Selbstversorgergarten werden. Heute versorgt Irmgard nicht nur ihre Familie mit Obst und Gemüse, sondern leistet mit ihrem Naturgarten in St. Margarethen an der Raab einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung alter Sorten.

„Alte Gemüsesorten sind robust und anpassungsfähig.“

Irmgard Scheidl

Ursprünglich wollte Irmgard Scheidl einfach einen Selbstversorgergarten für sich und ihre Familie anlegen. Als die gelernte Krankenschwester das Buch „Der Agrarrebell“ von Sepp Holzer liest, macht sie sich auf die Suche nach einem Grund in der Nähe ihres Hauses in St. Margarethen an der Raab. Und findet 2005 eine einen Hektar große, uralte Streuobstwiese, auf der sie sich an die Arbeit macht – und die sie zusätzlich zu ihrem 1500 Quadratmeter großen Hausgarten bewirtschaftet. Heute versorgt sie mit ihren beiden inzwischen bio-zertifizierten Gärten nicht nur ihre Familie mit Obst und Gemüse, sondern sie ist auch Sortenerhalterin für die Arche Noah und gibt ihr Wissen über biologisches Gärtnern in Gartenführungen und Vorträgen weiter.

Mittlerweile bringen ihr die Menschen aus der Region sogar aktiv Saatgut: „Wenn es die Leute wissen, kommst du zu vielen Sorten“, sagt Irmgard. Viele davon seien über Jahrzehnte in den Hausgärten der Region erhalten worden. Mit Irmgards Hilfe sollen sie weiter vermehrt werden. Zu den teils 120 Jahre alten Hochstammbäumen auf der einstigen Streuobstwiese mit selten gewordenen Obstsorten wie der steirischen Schafnase, der Felsenbirne oder der gelben Zwetschke sind inzwischen hunderte weitere Obst- und Gemüsesorten gekommen. Da wächst die österreichische Radieschensorte „Grazer Treib“ neben den ursprünglich aus Peru stammenden Limabohnen, die schon die Inkas angebaut haben, die knallorange „Rosso di Napoli“-Melanzani steht neben den süß-sauren Tomatillos. Insgesamt rund 400 verschiedene Sorten gedeihen heute in dem Garten, alleine bei den Paradeisern kultiviert Irmgard 53 verschiedene. Gedüngt wird dabei rein mit dem Mist ihrer eigenen Hühner und Enten sowie mit eigenem Kompost, zum Gießen nutzt Irmgard wann immer möglich Regenwasser – und ihr Sohn kümmert sich um die Bienenstöcke: Die sollen nämlich auch die Bestäubung der Kulturen unterstützen.

Alte und vom Verschwinden bedrohte Gemüsesorten anzubauen ist Irmgards wichtigstes Anliegen. Sie vermehrt das Saatgut aber nicht nur für die Arche Noah, sondern verkauft es auch an ihre Ab-Hof-Kund:innen. „Alle meine Gemüsesorten sind samenfest“, erklärt sie. „Das heißt, dass jeder und jede sie auch selbst zuhause weitervermehren kann.“ Und dass so die vielen alten, fast vergessenen Sorten in den Hausgärten ringsum wieder aufleben können.

Danke an die Steiermärkische Sparkasse, die dieses Produzent*innen-Porträt ermöglicht hat.

Auf einen Blick:

Produzent*in

Naturgarten Scheidl

Irmgard Scheidl
8321 St. Margarethen an der Raab
Neudörfl 186