Mit Bun Voyage hat Verena Stögermayr in Vöcklabruck einen Backladen aufgebaut, der Sauerteig ins Zentrum stellt und handwerkliches Brot mit einem bewusst offenen, internationalen Zugang verbindet.
„Ich habe erkannt, dass ich einen Auftrag mit dem Backen habe.“
Verena Stögermayr
Mit Bun Voyage hat Verena Stögermayr in Vöcklabruck einen Betrieb aufgebaut, der aus einer persönlichen Erfahrung heraus entstanden ist und sich schrittweise entwickelt hat. Die studierte Sport- und Ernährungswissenschaftlerin hat zunächst als Lehrerin gearbeitet und war geprägt vom Wiener Karmelitermarkt, wo gutes Brot und frische Produkte zum Alltag gehörten. Der Umzug nach Schörfling während ihrer ersten Schwangerschaft wurde zum Ausgangspunkt ihres eigenen Backens: „Ich bin so verwöhnt gewesen von meiner Zeit in Wien – also habe ich angefangen, mein Brot selbst zu backen.“
Ausgehend von ersten Versuchen mit Weizensauerteig hat Verena ihre Brote weiterentwickelt und auch das Rezept ihrer Großmutter wieder aufgegriffen – das „Schröckingerbrot“, ein nahrhaftes Roggenbrot, das sie in reiner Sauerteigführung neu umgesetzt hat. Sie hat ihre erste Backstube in einer umgebauten Garage bei den Schwiegereltern eingerichtet und mit Geräten aus aufgelassenen Bäckereien gearbeitet. „Da ist Geschichte in meiner Ausstattung“, sagt sie. Zunächst hat sie im Zwei-Wochen-Rhythmus auf Vorbestellung gebacken, die Nachfrage ist rasch gewachsen.
Mit der Übernahme eines bestehenden Cafés in Vöcklabruck hat sie dem Projekt einen dauerhaften Rahmen gegeben. „Ich habe erkannt, dass ich einen Auftrag mit dem Backen habe“, sagt Verena. Sie beschreibt diesen Schritt auch als bewusste Entscheidung: „Ich habe gewusst, ich wollte & musste mutig sein.“ Ihr Ziel war es, Alternativen zu konventionellem Brot zu schaffen und einen Ort zu entwickeln, an dem man sich gerne aufhält – mit handwerklich hergestellten Backwaren und gutem Kaffee. „Mir ist klar geworden, dass ich in der Stadt Vöcklabruck auch einen gesellschaftlichen Auftrag habe“, sagt sie.
Heute umfasst das Angebot Frühstück, Snacks, Süßes und Kaffee, ein erweitertes Abendformat ist in Entwicklung. Verena arbeitet ausschließlich mit biologischen Zutaten und setzt, wo möglich, auf direkte Zusammenarbeit. Sie bezieht unter anderem Äpfel vom BioApfelHof Stögermayr, Honig von der Stockwerk Bioimkerei, Gemüse vom Belehof, Getreide von der Hochmühle Frauenlob sowie Käse vom Biohof Haslinger. Ergänzt wird das Sortiment durch Produkte von Zotter, der Kaffeefabrik, der Pilzothek sowie durch Bier aus Grieskirchen.
Gleichzeitig bleibt ihr Blick offen: Panettone, Colomba oder Maritozzi stehen neben Roggenbrot, Dinkeltoast oder Briochebuns. „Ich mag das Internationale – ich will mich mit meinen Backideen nicht festlegen.“ Während sie für ihre Brote passende regionale Mehle gefunden hat, arbeitet sie im süßen Bereich mit Mischungen aus heimischem und europäischem Bio-Mehl, um die nötige Teigstruktur zu erreichen.
In Zukunft möchte sie auch alte Getreidesorten wie Emmer, Waldstaude oder Laufener Landweizen stärker einbeziehen. Zu ihren stärksten Produkten zählen Focaccia und Panettone, während sie sich bei Croissants bewusst weiterentwickelt. „Die fordern mich am meisten heraus.“ Ihr Referenzpunkt ist dabei die französische Backkultur, an der sie ihre Arbeit kontinuierlich misst.
Bun Voyage versteht sich als „Laden“, wie Verena sagt – ein bewusst einfach gehaltener Ort, der aus handwerklicher Praxis und einer klaren Vorstellung von Brot und Gebäck entstanden ist. Drei Mal im Jahr ist Verena mit ihren Köstlichkeiten zudem beim Markt der Erde Vöcklabruck vertreten.