Arche des Geschmacks

Haunsberger Hafer

Der Haunsberger Hafer wirkt beinahe wie ein Getreide aus einer anderen Zeit. Seine langen, hellgelben Körner, die lockeren Rispen und seine außergewöhnlich späte Reife unterscheiden ihn deutlich von modernen Hafersorten. Gleichzeitig ist er ein Beispiel dafür, wie eng alte Landsorten einst mit ihrer Region verbunden waren.

Der Haunsberger Hafer (Avena sativa L.) ist ein Sommerhafer und erreicht eine Höhe von bis zu 1,3 Metern. Im Vergleich zu anderen in Österreich bekannten Hafersorten reift er besonders spät und ähnelt in seiner Erscheinung der ursprünglichen Form des Kulturhafers. Charakteristisch sind seine langen, schmalen Blätter und die feinen Rispen mit zahlreichen Ährchen.

Auffallend sind vor allem die Körner: lang, schlank, gleichmäßig und hellgelb gefärbt. Durch ihre besondere Länge besitzen sie ein hohes Korngewicht und einen hohen Proteingehalt. Haunsberger Hafer enthält zudem viele Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe und gilt traditionell als besonders wohltuend für Magen und Darm.

Nach dem Entspelzen und Trocknen werden die Körner vor allem zu Haferflocken verarbeitet. Der Haunsberger Hafer bringt einen milden, fein-nussigen Geschmack mit und eignet sich sowohl für herzhafte als auch süße Zubereitungen. So werden mit dem Haunsberger Hafer gerne Müslis, Porridge, Gebäck oder Suppen zubereitet.

Die Sorte ist an feuchtere und kühlere Regionen angepasst und benötigt ausreichend Bodenfeuchtigkeit. Ausgesät wird bereits im frühen Frühjahr, geerntet meist im August. In der Fruchtfolge gilt Hafer als sogenannte Gesundungsfrucht, die Böden positiv beeinflussen kann.

Wie der Haunsberger Roggen und der Haunsberger Weizen wurde auch der Haunsberger Hafer über Generationen hinweg von Bäuerinnen und Bauern an die Region angepasst. Der Haunsberg war lange eine wichtige Saatgutregion für Salzburg, Tirol und Bayern. Mit dem Rückgang des regionalen Getreideanbaus verschwanden jedoch auch diese alten Sorten zunehmend von den Feldern.

Aufgrund ihrer genetischen Vielfalt gelten alte Landsorten grundsätzlich als widerstandsfähig gegenüber sich verändernden Umweltbedingungen. Auch deshalb bemüht sich Bio-Bauer Alexander Diethard um die Erhaltung des Haunsberger Hafers – obwohl die empfindlichen Halme leicht umknicken und die Ernte dadurch deutlich aufwendiger ist.

Dass der Haunsberger Hafer heute noch existiert, ist dem Einsatz von Gottfried Weilbuchner und später der Familie Diethard zu verdanken. Am „Hof der alten Sorten“ in Anthering wird die Sorte weiterhin in kleinen Mengen angebaut und sorgfältig erhalten. Die historischen Getreidesorten wachsen dort auf kleinen Feldern von insgesamt 12,5 Hektar, die Erntemenge des Haunsberger Hafers liegt bei knapp zwei Tonnen pro Hektar.

Übrigens: 

Hier erfährst du mehr über den Haunsberger Weizen und den Haunsberger Roggen​​​​​​​, die ebenfalls Teil der Arche des Geschmacks sind.

Auf einen Blick

Arche des Geschmacks

Haunsberger Hafer

Alexander und Christine Diethard
5102 Anthering
Wald 1+2