Der Haunsberger Weizen erzählt von einer Zeit, in der Getreidesorten noch eng mit ihrer Landschaft verbunden waren. Über Jahrhunderte hinweg wurde diese alte Landsorte rund um den Haunsberg angebaut, weitervermehrt und an die Bedingungen der Region angepasst. Heute zählt sie zu den letzten erhaltenen Landsorten Salzburgs.
Der Haunsberger Weizen (Triticum aestivum L. subsp. aestivum) gehört zu den Winterweizensorten und zur Gruppe der alpinen Bartweizen. Die Pflanzen wachsen ohne Wachstumsregulatoren auf bis zu 1,5 Meter Höhe heran und benötigen weder Pestizide noch mineralische Dünger. Typisch sind die lockeren Ähren, die gute Standfestigkeit und die Robustheit der Sorte. Durch ihren hohen Wuchs bringen die Pflanzen zudem viel Stroh hervor und fördern die Biodiversität am Feld.
Die Körner sind kleiner als jene moderner Hochleistungssorten, besitzen jedoch einen höheren Schalenanteil und gelten als besonders nährstoffreich. Der Haunsberger Weizen weist einen hohen Proteingehalt auf und wird für seine gute Verdaulichkeit geschätzt. Vor allem im Sauerteig entwickelt er seine Qualitäten: Daraus entstehen aromatische Brote mit kräftiger Kruste, viel Charakter und ausgeprägtem Geschmack.
Wie andere Wintergetreide wird auch der Haunsberger Weizen im Herbst ausgesät und benötigt Frostperioden, um im Frühjahr weiterzuwachsen und zu blühen. Geerntet wird im Hochsommer des darauffolgenden Jahres.
Historisch war der Haunsberg eine bedeutende Saatgutregion für weite Teile Salzburgs, Tirols und Bayerns. In den 1970er-Jahren wurde der Haunsberger Weizen sogar als letzte verbreitete Landsorte Salzburgs beschrieben. Der Getreideforscher Rudolf Schachl ordnete ihn der Gruppe der alpinen Bartweizen zu und bezeichnete ihn als genetisch eigenständige, sehr alte Landsorte Mitteleuropas.
Aufgrund ihrer hohen genetischen Vielfalt gelten alte Landsorten wie der Haunsberger Weizen heute als besonders anpassungsfähig an veränderte Umweltbedingungen und Klimaschwankungen. Genau deshalb setzt sich Landwirt Alexander Diethard für die Erhaltung und Vermehrung dieser robusten, regional angepassten Sorten ein.
Wie viele traditionelle Sorten verschwand jedoch auch der Haunsberger Weizen zunehmend von den Feldern. Erhalten blieb er durch Gottfried Weilbuchner, der das Saatgut über Jahrzehnte weiterführte. Heute bewirtschaften Alexander und Christine Diethard den „Hof der alten Sorten“ in Anthering und vermehren dort historische Getreidesorten wie den Haunsberger Weizen auf kleinen Flächen von insgesamt 12,5 Hektar. Die Erträge liegen beim Haunsberger Weizen bei rund 2,5 bis 3 Tonnen pro Hektar.
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Alexander und Christine Diethard
5102 Anthering
Wald 1+2